Wer oder was verhindert, dass in Deutschland Arbeitsplätze entstehen? Die Grünen mit ihrem innovationsfeindlichen Gentechnikgesetz? Nicht enden wollende Genehmigungsverfahren? Energiepreise, die dank Ökosteuer und Förderabgaben zugunsten von Sonnen- und Windstrom unbezahlbar geworden sind? Überzogener Naturschutz? In Nordrhein-Westfalen, heißt es, wird eine Zwei-Milliarden-Euro-Investition blockiert – von Feldhamstern, die treuherzige Umweltschützer retten wollen!

Träumer. Ignoranten. Gestrige.

5,2 Millionen Arbeitslose markieren einen Ausnahmezustand. Sie wieder in Lohn und Brot zu bringen erfordert eine entschlossene Politik – und vermutlich auch Opfer. Nichts ist deswegen dagegen einzuwenden, soziale Besitzstände auf den Prüfstand zu hieven. Ebenso wenig dagegen, auch ökologische Errungenschaften auf ihre Wirtschaftsverträglichkeit hin abzuklopfen. Beide, der Umweltschutz wie der Sozialstaat, sind schließlich Produkte der Wohlstandsgesellschaft. Also jener Zeiten, da sich in Deutschland noch weitgehend unbehelligt von globaler Konkurrenz wirtschaften ließ. Diese Zeiten sind passé. Fortan gilt es, mit den bisher zu kurz Gekommenen zu teilen: Wertschöpfung und Arbeit – aber eben auch Rohstoffe und Umweltgüter.

Lässt sich daraus ein wachsender Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie herleiten? Jedenfalls forderte Bundespräsident Horst Köhler in der vergangenen Woche eine "politische Vorfahrtsregel für Arbeit"; was anderen Zielen diene – "und seien sie noch so wünschenswert" –, sei nachrangig. Andere äußerten sich ähnlich, nicht zuletzt die CDU-Chefin Angela Merkel und José Manuel Barroso, der Präsident der EU-Kommission. Ist also die Stunde der Not, der Massenarbeitslosigkeit, auch die Stunde, in der wir das Luxusgut Umweltschutz opfern müssen, zumindest ein wenig davon?

Wer das glaubt, irrt gleich zweifach: in der Diagnose des Problems und in der Therapie.

Roman Herzog, Köhlers Vor-Vorgänger im Amt des Bundespräsidenten, hielt einst die berühmte Ruck-Rede, in der er den Deutschen mehr Beweglichkeit abverlangte. Die Vorstellung, der Umweltschutz sei schuld am Jobmangel, verwies Herzog gleichwohl ins Reich der Fabeln. "Weniger oder gar unterlassener Umweltschutz würde nicht mehr, sondern weniger Arbeitsplätze in Deutschland bedeuten", sagte er – und hatte Recht damit.

Ein Blick in die Statistik offenbart, dass es mitnichten die Umweltpolitik ist, die den Standort D ins Abseits manövriert hat. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt geben Staat und Betriebe hierzulande sogar weniger Geld für Ökologie aus als beispielsweise die gefürchtete polnische Konkurrenz. Mit 1,6 Prozent liegt Deutschland gleichauf mit den Vereinigten Staaten (siehe Tabelle).

Energie ist hierzulande teurer als anderswo, nicht zuletzt wegen der Ökosteuer und wegen der Paragrafen zugunsten von Ökostrom. Trotzdem schlagen die Energiekosten bei den Betrieben des verarbeitenden Gewerbes im Durchschnitt gerade einmal mit 1,5 Prozent des Produktionswertes zu Buche. Das hindert niemanden daran, sich in Deutschland anzusiedeln – und verscheucht keinen Betrieb.