DIE ZEIT: Frau Gerhards, sie haben eine Studie erstellt über Menschen, die "offline" leben, die also weder Zugang zum Internet haben noch dies wünschen. Sind das alles Internet-Verweigerer?

Maria Gerhards: Nicht alle. Rund 40 Prozent der Bevölkerung sind Offliner, so nennen wir sie in der – von ARD und ZDF veröffentlichten – Studie. Innerhalb dieser Gruppe zeigen sich allerdings große Unterschiede. So gibt es einen Anteil von 20 Prozent unter ihnen, der überhaupt keine Vorstellung vom Internet hat und auch noch nie einen Computer benutzt hat. Daneben gibt es eine etwa gleich große Gruppe von Offlinern, die man in der Tat als Verweigerer bezeichnen kann. Die sagen: "Ich kenn mich aus, ich hab keine Angst, ich hab auch das Geld, aber ich will das Internet nicht." Sie lehnen es also aus rationalen Gründen ab. Dann gibt es die so genannten Planer: Sie haben vor, in absehbarer Zeit online zu gehen. Und schließlich gibt es noch eine Gruppe, das sind ungefähr 13 Prozent der Offliner, die waren schon einmal im Netz und sind es heute nicht mehr.

ZEIT: Was wissen Sie über die?

Gerhards: Die Mehrheit von ihnen hat den Computer beruflich gebraucht, hat sich nach der Pensionierung aber zu Hause keinen angeschafft. Ihr Hauptargument gegen das Internet ist, wie bei allen Offlinern, dass ihnen die Informations- und Unterhaltungsangebote der klassischen Medien – Presse, Hörfunk und Fernsehen – ausreichen. Bei ihnen kommt aber noch ein weiterer Punkt hinzu. Sie wissen, dass das Internet auch frustrierend sein kann, dass die vielen Möglichkeiten und Angebote einen überfordern können, dass vieles verwirrend und unübersichtlich ist.

ZEIT: Diese Menschen wollen sich also schlicht das Leben vereinfachen?

Gerhards: In gewisser Weise. Die so genannten Lean-back-Medien Fernsehen und Radio nehmen einem ja vieles ab – als Konsument kann ich mich zurücklehnen und die Informationen aus Nachrichten und Unterhaltungsangeboten aufnehmen. Im Internet muss ich mich selbst bemühen, muss entscheiden, ob ich weiter in das Angebot reinschaue, einen neuen Link versuche, oben oder unten klicken will. Das erfordert eine gewisse Medienkompetenz.

ZEIT: In Ihrer Befragung wurden als Hauptgründe für die Nichtnutzung das Suchtpotenzial des Internet, der Ärger über pornografische Inhalte, Reklame und die Zeitverschwendung genannt. Sind das nicht berechtigte Vorbehalte?