Eins in die Fresse

Harry Rowohlt: Ich bin gespannt, ob ich mal 'ne Frage höre, die ich noch nie gehört habe.

DIE ZEIT: Wann hat man Sie zuletzt überrascht?

Rowohlt: Neulich fragte eine Journalistin: »Sind Ihre Übersetzungen eigentlich autobiografisch?« Das war natürlich völlig berechtigt, weil man im Laufe eines Lebens einen gewissen Wortschatz anspart, mit dem man dann als Übersetzer arbeitet.

ZEIT: Haben Sie bestimmte Wörter besonders gern?

Rowohlt: Ich nicht, nee. Aber meine Autoren, leider. Im Augenblick übersetze ich den dritten Teil der Killoyle-Trilogie von Roger Boylan. Ihm musste ich irgendwann mal klar machen, dass man die Metapher »wie von milden karibischen Strömungen gestreichelt« nur einmal pro Buch verwenden darf. Inzwischen neigt er zu Wiederholungen, wegen des leidigen Computers. Wenn man was hingeschrieben hat, geht das nach oben weg. Dann vergisst man das.

ZEIT: Sie schreiben mit der Schreibmaschine?

Rowohlt: Ja, aber aus Blödheit, nicht aus Prinzip.

ZEIT: Es gibt einen Cartoon, in dem ein Verleger dem Autor begeistert zuruft: »Ihr neues Buch heißt Übersetzt von Harry Rowohlt? Her damit!« Wie lebt es sich mit so einem Ruf?

Rowohlt: Harald Juhnke sagte mal, er hätte daran gemerkt, dass er berühmt geworden ist, dass Schauspieler Anekdoten, die vorher über andere Schauspieler erzählt wurden, die diese auch schon nicht erlebt hatten, jetzt über ihn erzählt wurden. Ich weiß nicht ... Wenn man als Starübersetzer auch entsprechend mehr Geld bekäme, wäre es natürlich doppelt schön.

ZEIT: Sie kriegen immer noch das Standardhonorar?

Rowohlt: Ja. Die DVA hat ein Buch gemacht, das ich übersetzt habe. Und die wollten auf den Titel setzen: »Jeff Fisher: How to get rich. Deutsch von Harry Rowohlt.« Da hab ich gesagt, was soll das jetzt schon wieder? Jeder Mensch sagt sich doch: Warum fängt er nicht mit dem Titel schon mal an?

ZEIT: Gibt es andere Übersetzer, die Sie gern lesen?

Rowohlt: Natürlich den verehrten Kollegen Wollschläger, der vor ein paar Tagen 70 geworden ist. Die Süddeutsche meinte, er sei nur deshalb nie so richtig was geworden, weil er so viele ausgeprägte Talente habe. Der ist also praktisch im Talentstau stecken geblieben.

ZEIT: Sie haben ihm nur nicht verziehen, dass er den Ulysses von James Joyce übersetzt hat.

Rowohlt: Ich? Das soll doch bitte außer mir jeder machen. Diesen stinklangweiligen Kalauerer. Wenn einem bei Halbinsel, peninsula, nix anderes als Penis einfällt, kann ich das weder bewundern noch im Mindesten komisch finden. Arno Schmidt hat doch, ohne es zu wollen, viel Unheil angerichtet. Leute sagen jetzt »auf jeden Fall« und denken dabei Phall. Die waren sonst schon mit Pippi Langstrumpf ganz gut bedient.

ZEIT: Weltliteratur gibt es nur dank der Übersetzer.

Rowohlt: Schon klar. Dank den Übersetzern. Dank und trotz regieren beide den Dativ. Außer bei Ente Lippens.

Eins in die Fresse

ZEIT: Sie haben am gleichen Tag Geburtstag wie Heinrich Mann. Teilen Sie sein Schicksal, im Schatten prominenter Verwandter zu stehen? Ihr Bruder war der berühmte Verleger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt.

Rowohlt: Ich bin der kleine, linke, heterosexuelle Bruder, jaja. Aber ich habe den Eindruck, dass ich als Promi von der vierten Reihe in die dritte vorgestoßen bin, seit mir das Handelsblatt vor vier Tagen angeboten hat, den neuen Volvo zu testen. Es ist merkwürdig: Handelsblatt, FAZ und Industriekurier loben mich immer über den grünen Klee, aber die eigenen Genossen hauen mich in die Pfanne.

ZEIT: Wer sind die eigenen Genossen?

Rowohlt: Zum Beispiel Conny Lösch von Szene Hamburg, die mich als »Whiskyfass auf Beinen« bezeichnet hat. Da hab ich sie angerufen und gesagt: »Wenn man anderthalb Handbreit lange schwarze Lederminis trägt und mit den dicken Beinen defekte Netzstrümpfe, dann sollte man bei Beinen anderer Leute ziemlich vorsichtig sein.«

ZEIT: Was heißt denn links sein heute noch?

Rowohlt: Och Gott, weiß ich doch nicht. Von wo aus betrachtet?

ZEIT: Sie gehen noch brav am 1. Mai auf die Demo.

Rowohlt: (entschieden) Ja.

ZEIT: Sie waren auch mal Mitglied in der SPD. Sind Sie das immer noch?

Rowohlt: Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich als Karteileiche. Ach, das war wegen Willy, das sind die so genannten 72er. Damals hab ich ungeheuer viel Geld verdient und danach überhaupt nix mehr und hätte, nur um meine Beiträge zahlen zu können, einen geregelten Job annehmen müssen. Und das hab ich irgendwie nicht eingesehen.

ZEIT: Was mit Heide Simonis passiert ist, lässt Sie also völlig kalt.

Rowohlt: Nö. Ich würd schon gerne wissen, welche Ratte das war. Die müsste man dann, wie man in Hamburg sagt, leeeebenslänglich außem Fenster schmeißen. So geht's ja nicht. Da ist wahrscheinlich irgendjemand mit seinen Hypotheken im Verzug oder so. Peter Harry Carstensen war irgendwie überhaupt nicht überrascht. Aber in Schleswig-Holstein weiß man nie so mit den Mienen ... Die Witwe Barschel hat nach dem Tod ihres Mannes dermaßen beseligt in alle Kameras geguckt, dass ich nicht weiß, ob nicht wirklich ein furchtbarer Druck von ihr abgefallen war oder ob sie einfach das falsche Gesicht gemacht hat vor Entsetzen. Aber die sah endlich mal richtig zufrieden aus. Kann ich gut verstehen.

ZEIT: Sie haben sich mal heftig für Wolf Biermann eingesetzt. Jetzt klampft er für die CSU in Kreuth. Was ist da schief gelaufen?

Rowohlt: Ich fand schon vorher, wie er sich als Kommunist gefeiert hat, gelinde übertrieben. Das sind ja zwei verschiedene Biermänner, die wir erlebt haben. Den in der DDR, der war ja wirklich gut. Und diesen Jammerheini, der Shakespeare endlich mal angemessen übersetzt und Stimmen gehört haben will, dass einzelne Sonette zu ihm gesagt hätten: Sing mich, sing mich! Das Letzte, was mir von ihm gut gefallen hat, liegt auch schon wieder Jahre zurück, das war im Spiegel das Transkript eines Stasi-Tonbandmitschnitts aus seinem Schlafzimmer, welches mit den Worten endet: »Beischlafgeräusche, danach Ruhe im Objekt.« Woran man auch merkt, dass Biermann Nichtraucher ist.

ZEIT: Sie haben ein Talent zur Feindschaft. Dem Schriftsteller Jürg Laederach wollten Sie wegen einer Rezension in die Fresse hauen, unseren Kollegen Raddatz haben Sie ein »Ostzonen-Arschloch« genannt und Franz Josef Wagner einen »kurz vor der endgültigen Abhalfterung stehenden Flippi«.

Rowohlt: An Raddatz habe ich geschrieben weniger aus Hass auf ihn als aus Liebe und Verehrung gegenüber Robert Gernhardt. Und Wagner: Da bin ich weiß Gott nicht der Einzige, der findet, der Mann habe einen Sockenschuss. Mit Laederach habe ich mich längst versöhnt. Ich hatte ihm geraten, Klavierspielen zu lernen. Er hat er mir dann geschrieben, das könne er bereits. Da hab ich mich entschuldigt.

ZEIT: Wird in Deutschland zu wenig gestritten?

Eins in die Fresse

Rowohlt: Ist mir auch mal aufgefallen. Da hatte Ulrich Greiner anderthalb Seiten über den neuen Roman von Christa Wolf geschrieben und sehr gewunden ausgedrückt, dass und warum er ihn nicht gut findet. Und ich hab ihn gefragt: »Warum haste nicht einfach hingeschrieben, dass sei so stinklangweilig?« Aber er fand, das ging nicht.

ZEIT: Das war zu kurz.

Rowohlt: Der normale Literaturkritiker reagiert stinkig, wenn er sich unterhalten fühlt. Wenn er nicht nach Strich und Faden dumm- und krummgelangweilt wird, kann er Texte nicht ernst nehmen.

ZEIT: Spiegelt die Literaturkritik nicht einfach nur das deutsche Humorproblem wider?

Rowohlt: Wahrscheinlich schon. Aber dafür gibt es ja auch eine einfache Erklärung: Wenn man ohne Not seine Elite teils umbringt, teils vertreibt, braucht man sich nicht zu wundern. Deshalb ist es mir überhaupt gelungen, Kolumnist bei der ZEIT zu werden. Sonst wären da mindestens zwölf Juden gewesen an der Stelle. Später Nutznießer der Arisierung bin ich.

ZEIT: Wie lange wird es noch dauern, bis es wieder guten deutschen Humor gibt?

Rowohlt: Bis die ganzen russischen Juden, die jetzt in Berlin sitzen, Deutsch können.

ZEIT: Und worüber lachen Sie? Über Harald Schmidt jedenfalls nicht.

Rowohlt: Nä. Da passiert einfach nix. Und wenn mal was passiert, hab ich das vorher bei Jay Leno besser gesehen. Dafür hab ich zu viel zu tun, um anderen Leuten beim Nixtun zuzusehen. Wenn ich das täte, könnte ich nicht im mittleren Erzgebirgskreis auftreten, das würde mir die ersten vier Minuten lang verziehen werden, dann nicht mehr.

ZEIT: In einem Ihrer Briefe, die jetzt zum Geburtstag als Buch erscheinen, ist mal von Daniil Charms die Rede. Ist der lustig? Mögen Sie den?

Rowohlt: Eigentlich nicht so übermäßig, nö. Ich hab mal meinem Freund Cik erzählt, wie ich im Jahre 1972 von einem Zuhälter, der mich fast mit seinem roten Lamborghini überfahren hätte, eine reingefenstert gekriegt habe. Dann bin ich aufgewacht, so richtig mit einem Blutfaden aus dem Mund im schmutzigen Schnee, und alle Zähne wackelten, und ich hatte furchtbaren Hunger, bin in eine Kneipe gegangen und hab gefragt, ob sie vielleicht ein Süppchen hätten, ich könnte nicht so richtig beißen. Da sagten die: »Nur Knackwurst.« Darauf ich: »Neee, das ist zu hart.« Und schon wieder hatte ich einen inner Fresse. Da hat mein Freund Cik gesagt: »Ne Stimmung wie bei Charms.«

ZEIT: Kneipen sind wichtig in Ihrem Leben.

Rowohlt: So wichtig, wie das wohl für jeden normalen Menschen ist. Ich hab 'ne Wohnungsphobie. Wenn ich bei Leuten zu Hause eingeladen bin, das kann noch so 'ne schöne Wohnung sein, werd ich nach 'ner Weile unruhig. Ich ziehe eine noch so miese Kneipe einer noch so schönen Wohnung vor. Aber hier gibt's ja nix mehr.

ZEIT: Was ist mit Ganzoni hier in Eppendorf?

Rowohlt: Das ist ja keine Kneipe. Außerdem hat er natürlich den Nachteil, dass man auf dem Hin- und auf dem Heimweg je einmal an der Glocke vorbeikommt. Und da gibt es wunderbaren Matjes auf Schwarzbrot, und ich frag mich, warum ich dann das Spaghetti-Hebewerk bei Ganzoni ansehen muss. Hamse da jetzt, vier Portioniersiebe, geht automatisch in den brodelnden Sud. Ist genauso interessant wie ein Hebewerk an einem Kanal.

ZEIT: Und was ist mit dem Trinken?

Rowohlt: Als Übersetzer trinke ich ungeheure Mengen Tees. Sonst nichts, sonst würde ich ja die Tasten nicht finden, ich vertipp mich ja so schon oft genug. Und bei Lesungen, wenn Sie mal drauf achten, trinke ich erst lange nach der Pause den ersten Schnaps. Ich versuche das immer so zu timen, dass ich pünktlich zehn Minuten nach der Lesung knülle bin. Es gibt ja viele Kollegen, die erscheinen da bereits knülle wie 'n Schützenkönig, das ist Beschiss am Publikum. Das Publikum hat ein Anrecht darauf mitzuerleben, wie der Referent sich zugrunde richtet.

Eins in die Fresse

ZEIT: Vorlesen ist im Moment groß in Mode, weil es pädagogisch so wertvoll sein soll. Machen Ihre Lesungen die Menschen besser?

Rowohlt: Ich les ja Kindern nicht vor. Das ist mir zu lästig. In Kiel war mal ein plärrendes Wickelkind in einer Lesung. Erst hab ich so Andeutungen gemacht und dann immer massiver, bis endlich Ruhe war. In der Pause sagte dann ein Herr: »Das mit dem Kleinkind haben Sie ja prima geregelt gekriegt. Ich glaube, die Eltern haben es erstickt.« Ich geh doch auch nicht mit 'nem Kofferradio in die Dichterlesung und dreh das dann volle Socke auf.

ZEIT: Aber macht es Erwachsene zu besseren Menschen, wenn sie Harry Rowohlt hören?

Rowohlt: Ach Quatsch. Die sind doch sowieso bereits Elite, was man unter anderem daran merkt, dass sie in meine Lesung gegangen sind.

ZEIT: Tragen Sie auch in den anderen deutschsprachigen Ländern vor?

Rowohlt: Na klar. Das Südlichste, was ich bisher hatte, war Bozen. Da habe ich gesagt: »Nach Süden wäre die nächste Etappe erst wieder Windhuk.« Die waren stinksauer. Dort hatte ich auch ein schönes Interview mit einem Herrn von Freizeit und Fernsehen, und der wollte mal wieder wissen, warum ich den Rowohlt-Verlag nicht übernommen hätte. Und da habe ich ihn gefragt: »War Ihr Herr Vater auch schon bei Freizeit und Fernsehen?«

ZEIT: Ziehen Sie am 60. Geburtstag Bilanz?

Rowohlt: Notgedrungen. Weil ich so oft interviewt werde. Der von der renommierten dpa wollte wissen, ob ich gesünder leben werde und ob Frührente ein Thema für mich wäre.

ZEIT: Und?

Rowohlt: Zweimal nö.

ZEIT: Haben Sie im Rückblick was zu bereuen?

Rowohlt: Wie es bei Wilhelm Busch heißt: »Im Alter denkt manch alter Knaster / an die Gelegenheit zum Laster, / die er versäumt ...«

ZEIT: Und was ist Ihnen besonders gut gelungen?

Rowohlt: Vorgestern zum Beispiel habe ich die Formulierung »Right, two ton, that does it« übersetzt mit: »Jetzt reicht's, Vier-Zentner-Mann.« Darauf bin ich natürlich stolz. Mal sehen, ob heute wieder so was Schönes kommt. Ich benutze immer den Konfirmationsspruch meines Vaters, den hat er immer aufgesagt, wenn er besoffen war: »Zum Licht empor mit klarem Blick, ein Vorwärts stets, nie ein Zurück, dann hat das Leben Zweck und Ziel. Wer Großes will, erreicht auch viel.« Da hab ich dann immer gesagt: »Typisch, Großes wollte man, aber was hat man erreicht? Nur viel.« Patsch, hatte ich wieder eine rein.

ZEIT: Trotzdem hat Ihre Karriere als Vorleser bei Ihrem Vater begonnen.

Rowohlt: Ich habe ihm auf seinem Totenbett, von dem wir beide nicht ahnten, dass es sein Totenbett werden würde, den gesamten Schweijk mit verteilten Rollen vorgelesen. Da sagte er zu meiner Mutter: »Alles zurück, der Junge wird Schauspieler.«

ZEIT: Sie sind so gerade eben noch ein Kriegskind.

Eins in die Fresse

Rowohlt: Wie ich immer sage, ich bin ja noch im Weltkrieg geboren, und sofort hinzufüge: im Zweiten. Meine Mutter war unterernährt, als sie mich austrug, und ich in meinen ersten Lebensjahren ebenfalls. Weshalb mir plötzlich die Zähne ausgefallen sind, wunderbare Zähne, ohne Karies, ohne alles, weil die Knochen zu bröselig sind. Vor drei Jahren hab ich Zähne gespuckt wie 'ne Popcornmaschine. Auch dies verdanken wir unserem Führer.

ZEIT: Vielleicht erklärt sich aus der frühen Not Ihr lebenslanger Ehrgeiz. Schon Ihr Abituraufsatz war der beste von ganz Norddeutschland.

Rowohlt: Nicht so ganz. Von Hamburg, Nordniedersachsen und Südholstein. Vorhin hat ein Herr Nagel angerufen, der hatte gerade Die Asche meiner Mutter gelesen und wollte wissen, was man dazu studiert haben muss, um das so gut zu übersetzen. Und ich hab gesagt: »Ich hab gar nix studiert, ich hab lediglich anderthalb Jahre in New York gelebt.« Da sagt er: »Sie weichen mir aus.« Das ist eben der Nachteil, wenn man keine Geheimnummer hat. Aber Geheimnummer finde ich zutiefst unterschicht, mit kleinem U. Ich hab natürlich doch studiert, zweieinhalb Stunden, in München. Ein Übersetzerseminar. Immer, wenn ein schwieriges Wort vorkam, musste ich denen erklären, was das heißt, und da dachte ich mir: Wenn das Studieren ist, dann brauch ich das nicht.

ZEIT: Vorher haben Sie eine Lehre bei Suhrkamp gemacht. Bindet Sie noch etwas an den Verlag?

Rowohlt: Ist ja keiner mehr da, den ich noch kennen könnte. Inzwischen ist das Wort Suhrkamp-Autor zu genauso einer gestaltlosen Beschimpfung verkommen wie das Wort Doppelnamentusse.

ZEIT: Jetzt fehlt noch die berühmte Frage, ob Sie noch eine Frage haben, die Sie noch nie gefragt wurden, aber gern mal gefragt würden.

Rowohlt: Vor zwei Jahren, bei Ausbruch des zweiten Irak-Krieges, wurde mir immer nicht die Frage gestellt: »Sind Sie eigentlich antiamerikanisch?« Dann hat das eine Kollegin vom WDR doch endlich gemacht. Und ich hab gesagt: »Ich - antiamerikanisch?? Ich hab geweint, als Winnetou starb!«

ZEIT: Eine Frage haben wir noch, nicht überraschend, aber stellvertretend für alle ZEIT-Leser. Warum schreiben Sie keine Pooh's Corner mehr?

Rowohlt: Weil ich sie selbst mit wachsendem Unmut gelesen und gedacht habe, wenn man sie nicht mal selbst geschrieben hat, kann ich kaum verlangen, dass man sie mit einigem Gewinn oder Genuss lesen kann, wenn sie schon mir nicht gefallen.

ZEIT: Was müssen wir tun, damit Sie es sich noch einmal überlegen?

Rowohlt: Pooh's Corner war das Feuchtbiotop für Satzfehler. Da wurde aus dem Wort Schnürboden Schürboden gemacht. Wenn ein Korrektor schon nicht weiß, was ein Schnürboden ist - gut. Aber was ein Schürboden ist, weiß er noch viel weniger. Wo soll denn der wohl vorkommen, im Krematorium?

Das Gespräch führten Wolfram Runkel und Christof Siemens