Kapstadt. Es wäre der ideale Zeitpunkt für den Abschied aus der Politik gewesen, damals, vor der Präsidentschaftswahl 1996, als Robert Gabriel Mugabe noch ein angesehener Mann war. Als Vater der Nation hätte er in den Ruhestand gehen können und als großer Versöhner, der Simbabwe Freiheit und Demokratie erkämpft hat. Heute würde er wohl als Elder Statesman um die Welt jetten.

Aber Robert Mugabe ist nicht zurückgetreten, weil er das gar nicht kann. Der 81-Jährige leidet nämlich an einer in Afrika weit verbreiteten Krankheit: dem Machtwahn. Er hat sein Land von den weißen Kolonialherren befreit, seitdem ist es seine Domäne, die niemand anders regieren darf. Im Ausland wird er als Despot geächtet, daheim fürchten ihn viele. Die US-Außenministerin Condoleezza Rice zählt Simbabwe zu den "Vorposten der Tyrannei". Mugabe bekümmert das nicht. Er wird sein immerwährendes Regime in den Parlamentswahlen am 31. März bestätigen lassen – auch wenn er das Land beinahe zugrunde gerichtet hat.

Aber wie war das möglich? Wie konnte aus der einstigen Lichtgestalt des postkolonialen Afrika ein Staatsverbrecher werden? Als sich erstmals eine landesweite Opposition in Gestalt der Partei Movement for Democratic Change (MDC) in Mugabes Weg stellte, zeigte er sein wahres, sein despotisches Gesicht. Im Jahre 2000 war das, und seither geht’s steil bergab. Mugabe bekämpft die MDC mit allen Mitteln, Fememord und Folter inklusive. Er hat 4000 weiße Farmer vertreiben lassen, diese aus seiner Sicht "ewigen Kolonialisten" und "Staatsfeinde". Die Ländereien hat er auf Parteibonzen verteilt. Landreform nennt er das. Sie brach Simbabwe binnen fünf Jahren das ökonomische Rückgrat.

Die Zahlen sprechen für sich: Die Inflationsrate kletterte zwischenzeitlich auf den Rekordwert von 600 Prozent. Das Fachblatt Africa Analysis schätzt die Arbeitslosenquote auf 80 Prozent. Allein 200000 Landarbeiter verloren wegen der Vertreibung der Farmer ihre Jobs. Drei Millionen Simbabwer haben das Land verlassen und suchen im Süden, bei den reichen Nachbarn Botswana und Südafrika, ihr Glück. In ihrer Heimat darben die Menschen, unlängst wurde von den ersten Hungertoten berichtet. Das muss man sich einmal vorstellen: In Simbabwe, einer Kornkammer Afrikas, sind nach Hochrechnungen humanitärer Organisationen rund 5,8 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen – und daran trägt das ungünstige Wetter zum geringeren Teil Schuld. Hauptverursacher der Not ist das korrupte und gewalttätige Regime.

Präsident Mugabe könnte als Mann in die Geschichte eingehen, dessen Machtwahn in der Selbstzerstörung eines Staates gipfelte. Der einstige Befreiungsheld wird nicht viel mehr hinterlassen als einen Leitfaden für Diktatoren. Mit folgenden sieben Programmpunkten:

Zentralisiere alle Macht. Mugabe und seine Partei, die Zanu-Pf, die im Parlament über die absolute Mehrheit verfügt, haben so lange die Verfassung verbogen, bis sie den Staatschef zum unumschränkten Herrscher erhob. Als Exekutivpräsident kann er Beschlüsse der Legislative kippen, Gesetze nach eigenem Gutdünken erlassen, Abgeordnete einsetzen und entfernen. "Alle Wege führen zu IHM, alle Entscheidungen gehen von IHM aus", sagt ein Diplomat.