Die kirgisischen Oppositionsführer Kurmanbek Bakijew und Rosa Otunbajew sind unter dem Jubel der Menge in den von der Opposition besetzten Regierungssitz in der Hauptstadt Bischkek eingezogen. Das meldet die Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatten hunderte Oppositionsanhänger den Sitz von Regierung und Präsident gestürmt.

Verteidigungsminister Esen Topojew und Sicherheitsminister Kaliki Imankulow wurden in ihren Büros im "Weißen Haus" eingeschlossen. Trotz der angespannten Situation lehnt die Regierung es bislang ab, mit den Führern der Opposition zu verhandeln. Im Laufe des Tagesnahmen die Oppositionskräfte weitere strategisch wichtige Gebäude in der Hauptstadt ein, darunter auch das Fernsehzentrum. Das russische Verteidigungsministerium wies seine in Kirgisien stationierten Truppen an, sich aus dem innenpolitischen Konflikt herauszuhalten.

Bei der Erstürmung des Regierungsgebäudes warfen die Anhänger der Opposition Porträts von Staatschef Askar Akajew aus dem Fenster und schwenkten die kirgisische Flagge. Wachposten waren zuvor vor den heranstürmenden Oppositionsanhängern geflüchtet.

Mindestens 5.000 Oppositionelle hatten sich am Vormittag zu der bisher größten Protestkundgebung in der Hauptstadt versammelt. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Regierungsanhängern wurden mindestens zwei Menschen verletzt. Als sich die Regierungsgegner dem Präsidentensitz näherten, hatten sie Männer, die blaue Armbinden trugen (die Farbe der Regierung), mit Steinen beworfen und mit Schlagstöcken bedroht. Die Oppositionsanhänger warfen daraufhin ihrerseits Steine. Auch Schüsse seien zu hören gewesen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Nach der Stürmung des Präsidentenpalastes trafen weitere Sicherheitskräfte ein, um die Demonstration aufzulösen. Kirgisiens Innenminister Keneschbek Djuschebajew hatte den Demonstranten mit Gewaltanwendung gedroht, "wenn das Leben der Einwohner von Bischkek und die Sicherheit der staatlichen Institutionen in Gefahr" seien.

Die Unruhen in der früheren Sowjetrepublik begannen nach der ersten Runde der Parlamentswahl am 27. Februar und nahmen nach der zweiten Runde am 13. März weiter zu. Die Demonstranten werfen der Regierung Wahlbetrug vor und fordern den Rücktritt Akajews. Auch nach Einschätzung internationaler Beobachter entsprach die Wahl nicht den üblichen demokratischen Standards.