In der Notaufnahme des Baghiattulah-Krankenhauses hatte der Arzt gerade seine Schicht angetreten, als um 0.15 Uhr am 27. Juni 2003 eine Frau aus dem Evin-Gefängnis eingeliefert wurde. Drei Gefängniswärter brachten sie; im Begleitschreiben hieß es, Verdauungsprobleme hätten Blutungen ausgelöst. Sehr schnell stellte der Arzt fest, dass die Patientin wegen einer Schädelfraktur bewusstlos war und dass ihr Körper mit Wunden und blauen Flecken übersät war. Die folgenden Ereignisse änderten sein Leben von Grund auf.

Der Arzt heißt Schahram Asam, ein schmaler, angespannt wirkender Mann Ende dreißig. Damals arbeitete er im Rang eines Majors im iranischen Verteidigungsministerium. Seit Montag dieser Woche lebt er mit seiner Frau und der zwölfjährigen Tochter in Kanada, das der Familie politisches Asyl gewährt hat. Der Zufall hat ihm die Rolle einer Hauptfigur im letzten Akt einer Tragödie zugewiesen, die international für Unruhe gesorgt hat und die Beziehungen zwischen Kanada und der Islamischen Republik seit mehr als 19 Monaten belastet: die letzten Tage im Leben der 54 Jahre alten iranischstämmigen Fotojournalistin Zahra Kazemi.