Für Dietrich Bonhoeffer kam das Kriegsende einen Monat zu spät. Der evangelische Theologe wurde am 9. April 1945, 29 Tage vor der Kapitulation des Deutschen Reiches, im Konzentrationslager Flossenbürg von den Nationalsozialisten hingerichtet. Zusammen mit fünf anderen Widerstandskämpfern fiel er einer gezielten Racheaktion auf Befehl von Adolf Hitler zum Opfer.Bonhoeffer, der 39 Jahre alt wurde, hatte sich unter anderem an der Vorbereitung des Attentats vom 20. Juli 1944 beteiligt.Heute gilt Bonhoeffer als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Widerstands in der NS-Zeit. Sein 1944 in der Haft geschriebenes Gedicht "Von guten Mächten wunderbar geborgen" ist fester Bestandteil des Evangelischen Gesangbuchs. Ungebrochen aktuell sind auch seine Gedanken zu religiösen Fragen.Bevor SS-Männer Bonhoeffer im April 1945 den Strick um den Hals legten, kniete er nieder und betete. Seine christliche Gesinnung hatte ihn schon früh zu einem Gegner der Nationalsozialisten gemacht. Schon unmittelbar nach der Machtergreifung 1933 trug er sich angesichts der Judenverfolgung mit dem Gedanken, "nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen". In seiner "Friedensrede" warnte der Pfarrer 1934 vor der drohenden Kriegsgefahr, 1935 schloss er sich der oppositionellen "Bekennenden Kirche" an.Die Kirche musste sich nach seiner Auffassung an die Seite der Verfolgten stellen. Gerade deshalb setzte Bonhoeffer sich als einer der ersten christlichen Theologen auch für die jüdischen Mitbürger ein. "Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen", sagte er einmal bei den Predigerseminaren, die er seit 1935 in Pommern für die "Bekennende Kirche" hielt.Die Seminare wurden 1940 endgültig von der Gestapo unterbunden, ein Rede- und Schreibverbot sollte Bonhoeffer mundtot machen. Als weitere Schikane kam eine polizeiliche Meldepflicht hinzu. Für Bonhoeffer stand zu dieser Zeit der Weg vom religiösen in den politischen Widerstand bereits fest. Er war überzeugt, dass man als Christ nicht die Augen vor Unrecht verschließen dürfe und der Politik nicht einfach den Rücken kehren könne. Immer mehr gelangte er zu der Auffassung, dass man in einer Diktatur notfalls auch nicht vor einem Tyrannenmord zurückschrecken dürfe.Über seinen Schwager Hans von Dohnanyi erhielt der am 4. Februar 1906 in Breslau (heute Wroclaw) geborene Bonhoeffer Anschluss an die Gruppe um Admiral Wilhelm Canaris. Der Marineoffizier aus dem Ersten Weltkrieg war beim militärischen Geheimdienst tätig, ging aber auf Distanz zu den Nazis und deckte Widerstandsgruppen. Bonhoeffer arbeitete offiziell ebenfalls für die "Abwehr", knüpfte dabei aber mit Hilfe seiner ökumenischen Kontakte Verbindungen zwischen den westlichen Regierungen und dem deutschen Widerstand.Am 5. April 1943 wurde Bonhoeffer wegen "Wehrkraftzersetzung" von der Gestapo verhaftet. Der Nachweis einer Tätigkeit im Widerstand gelang allerdings zunächst nicht. Erst im Zuge der Ermittlungen nach dem erfolglosen Attentat von Claus Graf Schenk von Stauffenberg am 20. Juli 1944 fand die Gestapo in Canaris' Tagebuch belastende Hinweise. Das Schicksal Bonhoeffers und anderer Oppositioneller war damit besiegelt. Am 5. April 1945 ordnete Hitler die Vernichtung seiner in dem Tagebuch genannten Gegner an.Aus dem KZ Buchenwald wurde Bonhoeffer am 8. April von der SS nach Flossenbürg gebracht. Dort verurteilte ein Standgericht die Angeklagten Bonhoeffer, Canaris, Generalmajor Hans Oster, Generalstabsrichter Karl Sack, Hauptmann Theodor Strünck und Hauptmann Ludwig Gehre zum Tode durch den Strang. Ungebeugt trat Bonhoeffer seinen letzten Gang an. Der Lagerarzt sagte zehn Jahre später über den Verurteilten: "Ich habe kaum je einen Mann so gottergeben sterben sehen."