Ein Prüfstein für seine Politik würden die Wahlen in 13 von 20 italienischen Regionen sein, hatte Silvio Berlusconi noch am Ende der vergangenen Woche versichert. Ein Prüfstein auch für das Land, das vor einer zutiefst illiberalen Linken bewahrt werden müsse. Im Staatssender Rai malte Berlusconi das Gespenst des Kommunismus an die Wand – im einzigen Programm, das nicht wegen der dramatischen Meldungen über den Todeskampf des Papstes unterbrochen werden durfte. So wichtig war dem Regierungschef seine Warnung. Aber das Publikum hörte diesmal noch nicht mal mit halbem Ohr hin. Berlusconis Politbewegung Forza Italia, ganz auf den charismatischen Chef zugeschnitten, verlor bis zu zehn Prozent der Stimmen.

Nach dem Urnengang von 41 Millionen Wählern erscheint das Land wie zweigeteilt. Nur im wirtschaftlich prosperierenden Norden konnte das Mitte-Rechts-Lager bestehen, in der Lombardei und in Venetien. In Mittel-, vor allem aber in Süditalien jedoch heißt das Ergebnis Erdrutsch. In acht Regionen, darunter dem bislang stets konservativen, bitterarmen Kalabrien, setzte sich die Linke mit großer Mehrheit durch. Drei weitere, darunter Latium mit der Hauptstadt Rom, standen am Montagabend noch auf der Kippe. Die Rechtsextremen im Gefolge der Duce-Enkelin Alessandra Mussolini blieben mit knapp zwei Prozent knapp hinter den Umfragewerten. Selbst ein Bündnis mit Mussolini hatte Berlusconi im Hinblick auf die Parlamentswahlen im Frühling 2006 nicht ausgeschlossen – ein Zeichen dafür, wie groß die Panik im Regierungslager vor der Testwahl war. Zu Recht: Nun ist nicht sicher, ob Berlusconi überhaupt so lange im Sattel bleibt.