Die besten Argumente für die Windkraft liefert das Wetter. Zumindest in Spanien und zumindest manchmal. Zum Beispiel am Abend des 27. Januar 2005, eines der kältesten Tage des Jahres: Exakt um 19.57 Uhr heben sich gleichzeitig Millionen Garagentore, gleiten ungezählte Fahrstühle auf und ab, flimmern allerorten die Fernsehgeräte, wärmen Elektroheizungen Tausende Wohnungen und hüpfen zigtausend dampfende Brotscheiben aus den Toastern der Nation. Um 19.57 Uhr saugen 41 Millionen Spanier 43 708 Megawatt Leistung aus dem spanischen Stromnetz. Ein neuer Rekord.

Zum Glück erreichte die polare Kältewelle Südeuropa im Verein mit dem Wind.

Und dieser blies so heftig in die Rotoren der 400 in Spanien betriebenen Windparks, dass sie 5600 Megawatt (MW) an das Stromnetz abgaben. Das entspricht der Leistung der sechs größten spanischen Atomkraftwerke.

Damit produzierten die Mühlen 13 Prozent des Stroms im Moment der historisch größten Nachfrage. Im Durchschnitt des vergangenen Jahres lieferten Spaniens Windmühlen immerhin 6 Prozent der Elektrizität.

Spaniens Windbranche boomt. Im vergangenen Jahr überholten die spanischen Betreiber der Rotoren sogar die deutschen und feierten sich mit einer neu ans Netz gebrachten Leistung von 2061 MW als Windweltmeister 2004. Der Zuwachs kommt nicht von ungefähr, denn das Geschäft ist lukrativ. Spaniens Sonderverordnung für die Vergütung erneuerbarer Energien garantiert den Windanlagenbetreibern langfristig einen Erlös von rund 7 Cent pro Kilowattstunde. Das ist zwar weniger als in Deutschland, doch bei 2400 Volllaststunden pro Jahr (Deutschland: 1800) leben die Windmüller in Spanien gut damit.

Der Abnahmepreis für Windstrom setzt sich zu etwa gleichen Teilen aus dem variablen Marktpreis der Stromerzeuger und der Sondervergütung zusammen.

Durch eine Umlage auf die Privathaushalte haben die Bürger dafür im vergangenen Jahr gut eine halbe Milliarde Euro gezahlt, rund einen Euro pro Person und Monat.