Der Architekt Daniel Libeskind ist ein Dauerlächler. Er lächelt im Glück und im Unglück erst recht. Nur damals, als der Wettstreit um das Holocaust-Mahnmal lief, da schäumte er. Sprach von geistigem Diebstahl, davon, dass sich sein amerikanischer Kollege Peter Eisenman dreist bei seinen Ideen bedient habe. Vor Libeskinds Jüdischem Museum in Berlin stehen nämlich einige Betonstelen, eng gedrängt und gefährlich schräg, und als nun Eisenman sein Mahnmalsfeld mit ähnlichen Stelen übersäen wollte, lag der Plagiatsvorwurf nahe. Doch wusste Libeskind damals nicht, dass ihn eines Tages vielleicht derselbe Vorwurf treffen könnte. Jetzt nämlich, bei einem Blick auf den italienischen Zeichentrickfilm Allegro Non Troppo.

Eine derbe Klamotte ist das über einen tyrannischen Dirigenten, sein altes Damenorchester und einen Zeichner, der sich zu Stücken von Vivaldi oder Dvorák die turbulentesten Bilderreigen ausdenken muss. Der Film aus dem Jahr 1978 wurde gedreht von Bruno Bozzetto, in Deutschland bekannt für die wild-wirren Abenteuer des Herrn Rossi. Ähnlich grotesk und psychedelisch überdreht sind viele Szenen in Allegro non Troppo. Nur einmal, der DVD-Spieler zeigt 47:35, wird der Film ernst und melancholisch, er schwebt mit uns zu den ersten Takten des Traurigen Walzers von Sibelius über ein Feld von Stelen, endlos und bläulich schimmernd. Dann, am Rande irgendwo, eine Ruine, von Stelen umringt.

Gut, bei Eisenman sehen sie etwas anders aus, sind rechteckig, leicht gekippt, wechseln in der Höhe. Die Ähnlichkeit ist dennoch verblüffend - und das gleich zweifach. Im Film nämlich springen uns nun zwei Augen entgegen, die einer Katze - verstört streift sie durch das zerstörte Haus, sieht vor sich Menschen, die einst hier lebten, Halluzinationen nur, die gleich wieder verpuffen. Erzählt wird von Verlorenheit, von Trauer, von Verlust - ganz, als wäre Bozzetto der wahre Erfinder des Mahnmals.

Merkwürdige Sache, sagt da Eisenman knapp. Sonst ist er so redselig, schwärmt philosophierend von Absenz und Präsenz, Dislokation, Differenz. Und nun Kongruenz? Wirklich sehr merkwürdig. Erklären kann er sich das nicht - nie habe er den Film gesehen. Und so stehen wir da mit dem Zeichen- und dem Realbild, verwirrt und ratlos wie Bozzettos Katze. Sie verpufft am Ende des Films, genau wie ihre Halluzinationen. Ganz Präsenz in Absenz.