Torsten Hippes mächtiger Körper schiebt sich durch sein Berliner Büro, vorbei an Paketen, aus denen Auspuffrohre herausschauen. "Teile für meine Opel von eBay", sagt Hippe. Er besitzt drei Opel. Auf seinem Schreibtisch türmen sich Aktenhefter, sie umzingeln den Computer und bedecken die Arbeitsfläche vollständig. Torsten Hippe ist hauptberuflich Anwalt, nebenberuflich ist er Bezirksverordneter. "Feierabendpolitiker", wie er sagt.

Von einem Tag auf den anderen hat der Feierabendpolitiker dem Anwalt den Auftritt genommen. Eine Rede, ein Interview, ein Skandal. Sein Foto erscheint in der Zeitung neben denen von Neonazis, an seinen Nachnamen hängt sich das Adjektiv "rechtsextrem". Zugleich wird Torsten Hippe zum Symbol der Berliner CDU, zum Sinnbild ihrer Zerrüttung. Der Landesvorstand hat beantragt, ihn aus der Partei auszuschließen. Sogar Angela Merkel beschäftigt sich mit dem Fall.

Hippe redet laut und schnell. Oft relativiert er am Ende eines Satzes oder bittet, man solle das Gesagte ganz schnell vergessen und es bloß, um Gottes willen, nicht schreiben. So spricht einer, der sich von Gegnern umstellt sieht. Es scheint, als sei dem Anwalt erst jetzt die Macht des Wortes bewusst geworden. Und trotzdem kann Hippe nicht aufhören zu reden. Er regt sich zu sehr auf. Gerade eben sei ein Mandant bei ihm gewesen, erzählt er. Der habe im Gespräch plötzlich zu Hippe gesagt: "Ich bin aber Jude." Sein bester Freund sei Sohn einer jüdischen Mutter, sagt Hippe, seine Stimme zittert.

Torsten Hippe, Bezirksverordneter: "Ich bin nicht politisch korrekt und will es auch nicht sein"

Torsten Hippe trägt einen dunkelblauen Dreiteiler, er ist 32, sein Gesicht wirkt jungenhaft. Er bittet in den Sitzungsraum der Kanzlei: ein leerer Konferenztisch, Grünpflanze, große Fenster mit Blick auf den Kudamm. Hippe lässt sich schwer in den Stuhl sinken, um sogleich wieder emporzuschnellen, er muss Papiere kopieren, seine Ansicht der Ereignisse beweisen. Vor ihm liegt ein dicker Hefter, darin hat er alle Blätter zum Thema "Gedenkfeier am 8. Mai" gesammelt. Die Chronik seines Absturzes.

Da ist zum Beispiel seine Rede vom 16. Februar – dem Tag, an dem Torsten Hippe aus dem Rahmen fällt, seinen Ruf zerstört und der Berliner CDU, die ohnehin schwer angeschlagen ist, einen weiteren Stoß in Richtung Abgrund gibt. An jenem Tag im Februar ging es in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) darum, wie der 8. Mai in Zehlendorf-Steglitz begangen werden sollte. Zehlendorf-Steglitz ist ein Bezirk im Südwesten Berlins, großbürgerlich, wohlhabend, konservativ.

Zuvor hatte die PDS einen Antrag eingebracht, den "Tag der Befreiung feierlich zu begehen". Hippe deutet mit seinem Finger auf "Tag der Befreiung", er schüttelt ein wenig den Kopf. Diese Formulierung konnten er und andere CDU- und FDP-Politiker nicht auf sich beruhen lassen.