Wer vor über sechs Jahren das Branchenbuch aufschlug, fand unter der Rubrik "Psychotherapeut" noch weitaus mehr Einträge als heute. Die Berufsbezeichnung war nicht geschützt – ob kompetenter Seelenkundler oder Scharlatan, jeder durfte sich so nennen. Das änderte sich mit dem 1. Januar 1999, als das so genannte Psychotherapeutengesetz in Kraft trat. Seither ist die Ausbildung eines Psychotherapeuten offiziell geregelt: Er muss ein Medizin- oder Psychologiestudium absolvieren und eine mindestens dreijährige Therapieausbildung durchlaufen. Das Ausbildungsinstitut muss staatlich anerkannt sein, die Wirksamkeit der erlernten Therapiemethode wissenschaftlich nachgewiesen – derzeit ist das etwa der Fall für die Verhaltenstherapie oder psychoanalytisch begründete Verfahren.

Ein studierter Psychologe erhält erst nach über 4000 Ausbildungsstunden und einer staatlichen Prüfung die Approbation, das heißt, er wird als Therapeut zugelassen und darf "Psychologischer Psychotherapeut" an seine Praxistür schreiben. Eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten steht auch studierten Pädagogen oder Sozialpädagogen offen.

Diese zeit- und kostenintensive Qualifikation – allein die Therapieausbildung kostet zwischen 15000 und 20000 Euro – hat den Psychologischen Psychotherapeuten immerhin einen Vorteil eingebracht: Seit 1999 sind sie den Ärzten weitgehend gleichgestellt und können Patienten, die mit ihrer Versichertenkarte in ihre Praxis kommen, ohne Umwege behandeln. Zuvor war ein Psychotherapeut stets auf einen Arzt angewiesen, der ihn mit der psychotherapeutischen Behandlung eines Patienten beauftragen musste.

Mit Psychotherapie verbindet man noch heute meist die Vorstellung, "auf der Couch" zu liegen. Diese Form der Therapie, eine Psychoanalyse, geht auf den Wiener Nervenarzt Sigmund Freud zurück – inzwischen gibt es jedoch eine fast unüberschaubar große Anzahl verschiedener Techniken, um psychische Erkrankungen zu behandeln.

Für Betroffene ist es da oft schwer, sich im Dickicht des Psychomarktes zurechtzufinden. Manche Therapieverfahren sind mehr, andere weniger seriös. Anhand von wissenschaftlichen Studien soll überprüft werden, ob ein Therapieverfahren wirksam, wirtschaftlich und vor allem nicht schädlich für den Patienten ist. Liegen diese Belege vor, wird es als "wissenschaftlich anerkannt" eingestuft. Nicht alle Verfahren wurden bisher ausreichend untersucht, auch weil der methodische Aufbau einer solchen Untersuchung kompliziert und teuer ist. Vergleichsweise gut belegt ist die Wirksamkeit psychoanalytisch begründeter Verfahren und vor allem der Verhaltenstherapie, die sich traditionell als "empirische" Therapieform versteht und ihre Ergebnisse stets kritisch unter die Lupe genommen hat.

Verhaltenstherapeuten gehen davon aus, dass Menschen problematisches Denken und Verhalten – wie normales Verhalten auch – erlernen, indem sie bestimmte Lebenserfahrungen machen. In der Therapie versuchen sie, dem Patienten neue Lernerfahrungen zu ermöglichen, durch die er sein Verhalten verändern kann.

Die Psychoanalyse geht auf die Theorien Freuds zurück. Er sieht psychische Probleme als Folge unbewusster Konflikte oder verdrängter traumatischer Erfahrungen. In der Therapie versuchen Therapeut und Patient daher, solche Probleme im Gespräch ins Bewusstsein zu holen und zu bearbeiten. Neben der klassischen Psychoanalyse, die sich oft über Jahre erstreckt, führen psychoanalytisch geschulte Therapeuten auch kürzere, so genannte tiefenpsychologisch fundierte Therapien durch.

Die gesetzlichen Kassen übernehmen bisher nur die Kosten einer Verhaltenstherapie oder eines psychoanalytisch begründeten Therapieverfahrens, (noch) nicht aber für eine Gesprächspsychotherapie, die inzwischen ebenfalls wissenschaftlich anerkannt ist. Sie geht auf den Amerikaner Carl Rogers zurück. Gesprächstherapeuten begegnen ihren Patienten während des Gesprächs mit einer wertschätzenden und empathischen Haltung und versuchen, sie mit all ihren Problemen und Macken zu verstehen – dies wird als zentral für eine Heilung angesehen.