Aus der Sicht der Verbraucher ist der iPod von Apple viel mehr als ein hochwertiger mp3-Player. Die Untersuchung der Kauf-Motive und Alltags-Verwendungen erbrachte das Ergebnis: Der iPod ist für seine Besitzer vor allem ein Verbündeter im Kampf gegen ein "konsumentenfeindliches" Verhalten der Musikindustrie. Und den wollen offenbar viele haben: Apple lieferte im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs 5,3 Millionen Stück des digitalen iPod-Musik-Players aus. 558 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Die Verbraucherstudie, durchgeführt von dem Forschungsinstitut Ahrens & Bimboese framework und Landau Media, basiert auf psychologischen Tiefeninterviews zur Kauf-Motivation und zur alltäglichen Produktverwendung sowie einer qualitativen Analyse der Medienresonanz des iPod.

Der Grundstein für den einzigartigen Erfolg des iPod ist die Krise in der Musikindustrie. Das illegale Downloaden, Kopieren und Brennen ist Resultat einer Protesthaltung, einer Revolte der Verbraucher gegen die Geschäftspolitik der Music-Majors.

Vor diesem krisenhaften Hintergrund gewinnt das Apple-Image Strahlkraft und Wirkung im Markt für digitale Musik. Das Unternehmen gilt als David gegenüber Microsoft, das seine eigenen Produkte liebt, Kunden achtet und die Mächtigen der Branche in die Schranken weisen kann. Ein Psychologe des untersuchenden Forschungsinstituts sagt: "Das provokante Image, das Apple und vor allem sein Gründer Steve Jobs in der Nischen-Position des Computer-Marktes entwickelt haben, wird im krisenhaften Umfeld des Musik-Geschäftes zu einem Garanten für die Erfüllung von Verbraucher-Wünschen."

Der Apple-iPod erfüllt die Anforderungen seiner Nutzer optimal. Er verbindet nicht nur ideal Form und Funktion, sondern verändert auch die Lebensgewohnheiten und -qualität: Aus Sicht der Konsumenten ist der iPod ein exklusives und liebenswertes Produkt und bietet eine Heimat für die zuvor beliebige, verwahrloste Massenware Musik. Musik kann wieder kultiviert werden.

Für die Entscheidung, sich einen iPod zu kaufen, ist jedoch nicht der medial inszenierte Apple-Hype ausschlaggebend, sondern seine Alltags-Qualität. Erst wenn deutlich wird, was der iPod im persönlichen Umgang mit Musik ermöglicht, beschäftigen sich die Verbraucher mit der Frage, ob sie sich ein Gerät anschaffen wollen oder nicht - das ist das Ergebnis der Tiefeninterviews.

Die Berichterstattung in den Medien über diese Potenziale bereitet thematisch den Boden für die Kaufentscheidung. Die Werbung spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle. Ralf Weinen: "Die psychologische Analyse, wie die Kaufentscheidung zustande kommt, hat eindeutig gezeigt: Der mediale Apple-Hype mit den Eckpunkten wirtschaftlicher Erfolg, Design und prominente iPod-User hat die Aufmerksamkeit geweckt - die entscheidenden Kauf-Impulse setzten jedoch Medien-Berichte zu den Alltags-Möglichkeiten im Umgang mit dem iPod."