Die Welt hat einen neuen Papst: Während in vielen Ländern die Wahl von Joseph Ratzinger mit Freude aufgenommen wurde, gab es auch verhaltende und kritische Stimmen. Besonders negativ fielen die Reaktionen in der Türkei aus. Die türkische Presse stellte den neuen Papst Benedikt XVI. am Mittwoch fast einhellig als "Türkei-Gegner" vor. Als Beleg ziehen die Zeitungen Äußerungen von Joseph Kardinal Ratzinger heran, wonach der Platz der Türkei nicht in der Europäischen Union, sondern in der arabischen und islamischen Welt sei. Der Deutsche sei aus Sicht der Türkei "die letzte Wahl" gewesen, schrieb die Zeitung Radikal . Die Zeitung Sabah bezeichnete Ratzinger als "ehemaligen Nazi". Auch andere weisen darauf hin, dass der Deutsche in jungen Jahren zur Hitlerjugend gehört habe. Gern zitiert werden die Spitznamen "Panzer-Kardinal" oder "Rottweiler Gottes".

Auch die linksliberale dänische Tageszeitung Information aus Kopenhagen beurteilt die Wahl Ratzingers zum neuen Papst kritisch: "Die Nachricht von seiner Wahl zum Papst mit Namen Benedikt XVI. kommt wie eine Bombe. Ratzinger ist genauso konservativ und doktrinär, wie es Karol Wojtyla war. Der überwiegende Teil der Katholiken in Afrika, Asien und Lateinamerika ist konservativ. Hier wird die strenge Moral von Benedikt willkommen sein. In Europa und Nordamerika dagegen kann der neue Papst unter den schrumpfenden katholischen Massen wohl kaum populär werden", urteilt die dänische Zeitung.

Vor allem in Lateinamerika war die Enttäuschung über die Wahl des Deutschen als Nachfolger Johannes Paul II. groß. Viele Katholiken hatten dort auf einen Papst vom lateinamerikanischen Kontinent gehofft. "Es wäre gut gewesen, wenn ein Lateinamerikaner gewählt worden wäre. Immerhin leben hier die meisten Katholiken", sagte José Rodriguez, ein Ingenieur aus Kolumbien.

Die katholische Kirche in Nigeria hat den neuen Papst Benedikt XVI. herzlich willkommen geheißen. Im Heimatland eines der langjährigen Kandidaten für die Papstnachfolge, Kardinal Francis Arinze, herrschte nach der Wahl gelassene Zufriedenheit mit dem neuen Papst. "Wir freuen uns mit der restlichen Welt und sind zuversichtlich, dass die Wahl des Heiligen Geistes das Beste für die Kirche ist", sagte Monsignore Hypolite Adigwe, ein Vertrauter Arinzes.

Die Philippinen haben die Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. mit Freude begrüßt. Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo drückte am Mittwoch die Hoffnung aus, dass das neue Oberhaupt der katholischen Kirche "die Saat ist, um Konflikte zu beenden". Die Philippinen sind mit rund 70 Millionen Gläubigen das größte katholische Land Asiens.

Der israelische Außenminister Silwan Schalom zählt auf die Unterstützung Papst Benedikts XVI. "Israel ist hoffnungsvoll, dass wir während der Amtszeit des neuen Papstes in den Beziehungen zwischen dem Vatikan und Israel weiter vorankommen, und vor dem Hintergrund des neuen Papstes bin ich sicher, dass er wie sein Vorgänger eine mächtige Stimme gegen alle Formen des Antisemitismus ist", teilte Schalom am Dienstag mit. Israelische Kommentatoren debattierten die Rolle des bisherigen deutschen Kardinals Joseph Ratzinger in der Hitler-Jugend und der Wehrmacht.