Für Bulgaren und Rumänen war es ein Festtag. Der bulgarische Regierungschef Simeon Sakskoburggotski sowie der rumänische Präsident Traian Basescu waren nach Luxemburg gekommen, um feierlich in der Abtei Neumünster die Verträge für den Beitritt ihrer Länder zur Europäischen Union zu unterschreiben. "Für sie ist es ein Tag zum Feiern, und das soll ja auch so sein", sagte EU- Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Dann aber erinnerte sie ans Kleingedruckte: "Ich glaube, die Beitrittsstaaten wissen, es ist ernst. Sie haben jetzt Zeit, die Defizite aufzuholen."Dass am Rande des EU-Außenministertreffens in Luxemburg immer wieder betont wurde, dass die künftigen Mitglieder sich noch sehr anstrengen müssten, wenn sie wirklich wie geplant zum 1. Januar 2007 zur EU gehören wollen, ist leicht erklärlich. Denn die Besiegelung der Erweiterung auf 27 EU-Mitglieder fällt in ein Stimmungstief, das nicht nur in Deutschland die Politik der Europäischen Union überschattet. Dienstleistungsrichtlinie und EU-Verfassung sind Stichworte für eine angstvolle Verdrossenheit auch in Frankreich und beispielsweise den Niederlanden geworden.So wurden EU-Diplomaten nicht müde, am Rande der Zeremonie darauf hinzuweisen, dass die EU vor allem Rumänien, aber auch Bulgarien Aufgaben zu weiteren politischen Reformen gestellt hat. Deren Abarbeitung wird jährlich überprüft. Sollten die Fortschritte nicht ausreichend sein, so kann der Beitritt um ein Jahr verzögert werden. Notfalls können Schutzklauseln - vor allem im Bereich der Justiz und der inneren Sicherheit - auch noch bis drei Jahre nach dem Beitritt angewendet werden, um bestimmte Reformen durchzusetzen. Die Drohung der EU ist im Fall Rumäniens besonders deutlich. Hier reicht im EU- Ministerrat bereits eine qualifizierte Mehrheit aus, um wegen Defiziten in den Bereichen Justiz, Inneres und Wettbewerb den Beitritt auf das Jahr 2008 zu verschieben."Natürlich hat die Kommission die Verpflichtung, Rumänien und Bulgarien durch Monitoring zu begleiten. Und sie wird das auch sehr ernst nehmen", sagte Ferreo-Waldner. Schließlich habe man alleine für Rumänien, wegen Korruption und der fehlenden Integration der Roma- Minderheit besonders in der Kritik, elf Punkte definiert, in denen sich das Land noch sehr anstrengen müsse."Ich glaube schon, dass das die einzig vernünftige Lösung ist", sagte die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik zum Beitritt Bulgariens und Rumäniens. "Denn was ist die Alternative?" Diese Auffassung ist weit verbreitet. Die Einbindung des Balkans sei für die EU von strategischer Bedeutung, sagen Diplomaten. Freilich wird das die Alt-Mitglieder viel Geld kosten - und Mühen, wie sich auch in Luxemburg an den Diskussionen um Kroatiens Mitgliedschaft zeigte. Zagreb wird vorgeworfen, nicht ausreichend mit dem UN- Kriegsverbrechertribunal zusammengearbeitet zu haben.Der Schritt zum Beitritt Rumäniens und Bulgariens lässt erahnen, was auf die Union zukommt, wenn am 3. Oktober die Verhandlungen über einen möglichen Beitritt der Türkei beginnen. Sie sind "ergebnisoffen" - was im EU-Sprachgebrauch bedeutet, dass sie möglicherweise auch nicht zum Beitritt führen