Der weltbekannte
Kuss
des Fotografen Robert Doisneau ist nicht nur legendär, sondern auch wertvoll. Ein Erstabzug des Fotos
Le Baiser de l'Hôtel de Ville
, das ein Liebespaar vor dem prächtigen Pariser Rathaus zeigt, wurde am Montagabend in Paris nach einem kurzen und heftigen Bietgefecht für 155.000 Euro versteigert.
Das Pariser Auktionshaus Artcurial bezeichnete den Preis des 18 mal 24,6 Zentimeter großen Erstabzugs als Rekordsumme. Nach nur drei Minuten kam das Bild unter den Hammer. Ein namentlich nicht genannter Schweizer ist nun der neue Besitzer der hingebungsvollen, aber gestellten Kussszene in Schwarz-Weiß von 1950, die ursprünglich auf 15.000 bis 20.000 Euro geschätzt wurde.
"Das ist außergewöhnlich. Darauf waren wir nicht gefasst. Das hat mich sehr berührt. Für mich bedeutet dieser Verkauf ein neuer Start. Ich werde einen Abzug kaufen, um das alles nicht zu vergessen", erklärte Françoise Bornet, die Protagonistin der Kussszene. Mit dem Geld will die heute 75 Jahre alte Darstellerin eine Produktionsgesellschaft gründen und jungen Filmemachern helfen.
Mit dem Foto, das zum Sinnbild des Klischees von Paris als "Stadt der Liebe" geworden ist, begann für Doisneau eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Nach tausendfacher Verbreitung als Postkarte kam der
Kuss
1986 als Poster auf den Markt und wurde mehr als 400.000 Mal verkauft. Außerdem wurde das Motiv für die Kampagne "Liebe zu den Spielen", mit der sich Paris sich um die Austragung der Olympischen Spiele 2012 bewirbt, wiederaufgelegt.
Doch die Liebesszene hatte Doisneau nicht nur Ruhm, sondern auch viel Ärger eingebracht. 1992 behauptete das Ehepaar Jean und Denise Lavergne im französischen Fernsehen, dass sie das Liebespaar auf dem Foto seien. Dieses Fernsehgeständnis lockte Françoise Bornet und ihren ehemaligen Partner Jacques Carteaud, der inzwischen gestorben ist, aus der Reserve. Sie zwangen Doisneau dazu, das seit vier Jahrzehnten gehütete Geheimnis um das
Kuss
-Foto zu lüften: Statt um einen Schnappschuss handelte es sich um einen Auftrag des Magazins Life zum Thema "Verliebte in Paris".
"Er hat fünf oder sechs Posen aufgenommen. Es dauerte ungefähr einen halben Tag", erinnert sich Bornet heute. Doisneau entdeckte die junge Frau, als er auf der Terrasse des in der Nähe des Invalidendoms gelegenen Cafés "Le Villars" saß. Die damalige Schauspielschülerin flanierte mit dem gleichaltrigen Carteaud vorbei, der ebenfalls Schauspielspüler war. Sie küssten sich wirklich - jedoch nicht vor dem Rathaus. Doisneau bat die Liebenden, das Geturtel an verschiedenen Orten der Stadt gegen ein Honorar zu wiederholen, unter anderem auch vor der Fassade des "Hôtel de Ville".
Wenige Tage nach dieser Aufnahme schickte Doisneau der jungen Frau das Foto als Erinnerung zu. Auf dem Rücken des Bildes findet sich der Stempel des Fotografen und die Nummer des Negativs, 21.039, von dem sich Françoise Bornet nun nach mehr als einem halben Jahrhundert getrennt hat.
Bildkunst: Ein Kuss für 155.000 Euro
Der Kuss, weltberühmtes Foto zweier verliebter Pariser, ist versteigert worden. Zwar kein Schnappschuss, aber dennoch legendär