Der einzige Mann im Raum heißt Frieder. Und trägt lila Wollsocken. Aber ich bin selber schuld, denn welcher Traummann studiert schon Pädagogik?

Klar, in der Mensa, da sehe ich einige potenzielle Männer fürs Leben. Aber was sag ich dann, wenn wir gemeinsam in der Schlange vor der Kasse stehen? Vielleicht: "Ach, hast du auch Menü eins? Na, so ein Zufall!" Da wäre es in der Arbeitsgruppe einfacher. Die Uni soll doch ein Heiratsmarkt sein, das hört man immer wieder. Hier trifft man die, mit denen man sein Leben verbringt. Wenn das so weitergeht, wird das ein langes, langweiliges Leben mit Nina, Maren, Angela und Juliane. Uni ist genau so, wie der Sportunterricht früher war: nach Geschlechtern getrennt. Die Jungs hängen mit den Jungs in allem zusammen, was Technik ist, und die Mädchen mit den Mädchen in allem, was mit Menschen und Tieren zu tun hat. Klischee, aber wahr. Wer den Sportunterricht schon immer mochte – bitte, meinetwegen. Mir bleibt nur ein Ausweg: das Nebenfach.

Ich mach’s deswegen einfach so wie Jochen: Der ist Elektroingenieur und hat jetzt Romanistik belegt. Und Ine studiert zwar Kunstgeschichte, interessiert sich aber auf einmal brennend für Maschinenbau. Und auch wenn Informatiker vielleicht nicht der Traum meiner schlaflosen Nächte sind – es gibt sie in Massen. Und Auswahl ist schließlich auch schon mal was.

Oder ich folge dem Vorbild von Michelle, meiner Freundin aus Maryland. Die hat sich konsequenterweise gleich für Medizin eingeschrieben an ihrer amerikanischen Uni. Das kostet dann zwar höhere Studiengebühren als das Fach, das sie wirklich interessiert, aber die Investition wird sich mit Sicherheit amortisieren. In den Worten von Michelle: "Er wird vielleicht kein guter Ehemann. Aber er wird ein prima Exehemann."

Ein Freund würde es auch schon tun; also auf zu den Informatikern! Ein Blick in die Runde, Ernüchterung. Zwar kein Frieder. Dafür Jungs, deren Gesichter im Tageslicht flackern wie blaue Bildschirme. Aber Mut! Immerhin hat sich der Seminarleiter ausdrücklich auch Geisteswissenschaftler gewünscht, "für befruchtende Diskussionen".

Die Zweite, die darauf hereingefallen ist, erkenne ich auf den ersten Blick: lange Haare, Zweifel im Gesicht – Judith. Ein Semester später sind wir beide zwar ein bisschen schlauer, aber immer noch allein. "Das liegt auch an der Stadt", sagt Judith. "Anderswo studieren viel mehr Männer. Dort gibt es mehr technische Fakultäten." Sie zieht jetzt nach Karlsruhe. Sandra Irlenkäuser