Am Donnerstag dieser Woche werden die Ordner trainiert, taktisch geschult und ins Funknetz eingewiesen. Am Sonntag dann soll die große Friedensdemo durch den Central Park von New York ziehen. Ihr Anlass: Vom 2. Mai an werden Vertreter von 188 Staaten darüber verhandeln, wie der Atomwaffensperrvertrag gerettet werden kann. Das Bollwerk gegen die Verbreitung von Kernwaffen ist morsch geworden.

Vier Wochen lang wird der Konferenzmarathon im UN-Gebäude von New York dauern. Auf den Tisch kommt alles, was in jüngster Zeit die Angst vor Atomkrieg und Nuklearterrorismus aufleben ließ. Die Gefahr beispielsweise, dass die nordkoreanische Nuklearrüstung eine Laufmasche reißt, die sich durch ganz Fernost zieht (Japan, Taiwan, Südkorea); oder das Risiko, dass das iranische Atomprogramm ein nukleares Wettrüsten auslöst, an dem sich außer Israel auch Syrien, Ägypten, Saudi-Arabien und weitere Staaten der Region beteiligen.

Eröffnet wird das Treffen von UN-Generalsekretär Kofi Annan. Es dreht sich ja auch nicht zuletzt um die Zukunft seiner Vereinten Nationen. Denn weil das bislang recht erfolgreiche System, bestehend aus dem Atomsperrvertrag von 1968, der Wiener Atomenergiebehörde IAEA und dem UN-Sicherheitsrat, die Verbreitung nuklearen Wissens und Materials durch illegale Netzwerke nicht mehr unter Kontrolle hat, verlassen sich einige Mächte mittlerweile lieber auf Selbsthilfegruppen.

Die Industrieländer der so genannten G9 beispielsweise einigen sich derzeit auf Regeln dafür, welchen Ländern sie welche Technik vorenthalten wollen; ein ähnliches Ziel verfolgt die 40 Staaten umfassende Nuclear Suppliers Group, und auf Initiative der USA haben sich bis heute 60 Staaten in der Proliferation Security Initiative zusammengetan, einem losen Verbund, der Nuklearschmuggel auf See mit polizeilichen Kräften bekämpft.

Dieses von Amerika geführte Bündniswesen ist gewiss eine sinnvolle Ergänzung des Sperrvertrags. Doch anders als der Vertrag, der fast alle Nationen umfasst, teilt es die Welt in die Guten, die mitspielen dürfen, und die Bösen, gegen die es sich richtet, es ist also nicht universell und damit selbst eine potenzielle Ursache von Konflikten.

Alle fünf Jahre wird der Atomsperrvertrag von seinen Unterzeichnern auf einer "Überprüfungskonferenz" diskutiert. Die jetzige könnte über sein Schicksal entscheiden. Doch leider droht eine "Schlammschlacht", wie sich IAEA-Beamte ausdrücken. Schon die Vorbereitungstreffen seien "triste Veranstaltungen" gewesen, bestehend aus ergebnislosen Wortgefechten. Sie brachten weder eine Tagesordnung zustande noch eine Einigung auf Arbeitsgruppen.

Den Amerikanern wird vorgeworfen, zu wenig für die Abrüstung zu tun

In dem zänkischen Klein-Klein über Formalia aller Art drückt sich ein weltweiter Konflikt aus, grob vereinfacht: Amerika gegen den Rest der Welt. Allzu grob vereinfacht, natürlich. Die USA sind die exponierteste der fünf Atommächte unter den Vertragsstaaten, und sie wissen die anderen vier, insbesondere Frankreich und Großbritannien, zuweilen aber auch Russland und China an ihrer Seite, wenn sie sich der Kritik seitens der Nichtkernwaffenstaaten erwehren müssen. Der Rest der Welt wiederum ist ein buntes Spektrum, das von Verbündeten Amerikas bis zu den (sich immer noch so nennenden) "Nichtpaktgebundenen" reicht. Diese sind Schwellen- und Entwicklungsländer und haben angekündigt, in New York über die USA zu Gericht sitzen zu wollen. Die zwei Punkte der Anklage: Erstens seien die Amerikaner ihrer Vertragspflicht zur nuklearen Abrüstung nicht nachgekommen; zweitens würden sie Entwicklungsländer in diskriminierender Weise daran hindern, sich Kerntechnik anzueignen – eine Klage, in die Iran, das sich in jüngster Zeit demonstrativ als "südliches Land" bezeichnet, laut und gern einstimmt.

Das zentrale Thema der Nichtpaktgebundenen in New York soll das 1996 geschlossene Abkommen für ein Verbot von Atomtests sein, dessen Ratifizierung die Bush-Regierung verweigert (damit ein Versprechen der Clinton-Regierung zurücknehmend). Nach Ansicht der USA wiederum ist Rüstungskontrolle ein Thema von gestern; vordringlich sei es, Nuklearterrorismus und das Aufkommen neuer Kernwaffenstaaten zu verhindern.