Es geht in einer Volkswirtschaft nicht darum, Arbeitsplätze zu schaffen! Es geht darum, Produkte und Dienstleistungen zu produzieren, die erfolgreich und gewinnbringend an Kunden verkauft werden - dann kommen die Arbeitsplätze von selbst! Wer zum Boykott der Unternehmen, die Angestellte entlassen mussten, aufruft, riskiert, dass noch mehr entlassen werden müssen.

Die Kapitalismuskritik passt wunderbar in die ebenso unerträgliche Neiddebatte über Managergehälter.

EUGEN SOLF, KRONBERG

Joffe ist das einfache Marx-ABC entgangen, wonach zwischen der Klasse an sich und der Klasse für sich zu differenzieren ist. Karl-Siegbert Rehberg schreibt auf derselben Seite: Aber das Beispiel der USA könnte uns doch darüber belehrt haben, dass auch empörende Formen klassengesellschaftlicher Ungleichheit nicht zu verschärften Klassenauseinandersetzungen führen müssen.

Die geschichtsphilosophische Vision einer revolutionären Arbeiterklasse, der Klasse für sich, wurde historisch ad absurdum geführt.

Nichtsdestoweniger besitzt die formale Definition der Klasse an sich ihre Gültigkeit. Nicht ohne Grund bezieht sich die Soziologie bis dato mit den entsprechenden Revisionen und Erweiterungen auf Marx. Keine Rede von der Ruhe im Grab! Wo stünden denn beispielsweise Pierre Bourdieus klassenanalytische Arbeiten ohne Marx? Wo seine vor über 20 Jahren formulierte Kapital- und Klassentheorie: ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital als Ungleichheitsmanifestationen? Joffe sollte Marx zeitgenössischer als soziologischen Beobachter/Analytiker lesen, als ihn als politisch verstaubte Figur vorzuführen.

STEFFEN NEUMANN, BERLIN

Müntefering hat nicht die notwendigen Reformen der Schröder-Regierung infrage gestellt, auch nicht die geplante weitere Senkung der Körperschaftssteuer.

Aber er und viele mit ihm erwarten Gegenleistungen der Wirtschaft. Wenn Gewinnstreben in Raffgier ausartet, wenn Menschen nur noch als Kostenfaktor gesehen werden, dann nimmt diese Gesellschaft Schaden. Diese Auswüchse kritisiert Müntefering und fordert zu Recht, dass sich Unternehmer ihrer Verantwortung für Menschen und Gesellschaft stellen. Da befindet sich Münte, der einmal sein Amt als das schönste nach dem Papst bezeichnet hat, nicht sehr weit weg von jenem (dem neuen wie dem alten).

DIETRICH BRIESE, BOBENHEIM AM BERG

Die Tendenz, den Kapitalismus zu personifizieren und politisieren, kulminiert in der ZEIT seit einigen Monaten. Macht es euch nicht so einfach, so kommt ihr zu keinen Lösungen!

Was ist denn Kapitalismus? Eine Staatsform? Ein politisches System? Ist es nicht vielmehr die Konsequenz des Eigennutzes, die Menschen dazu motiviert, ihr Vermögen und ihre Arbeit einzusetzen? Also das aggregierte Gewinnstreben aller? Das einmal vorausgesetzt, wird die Wahlmöglichkeit von Gesellschaften klarer: Wie weit begrenzen oder erlauben wir Eigennutz? Vom totalitären kommunistischen Staat, der Kapitalismus in die korrupten Beziehungen allmächtiger Parteien verschiebt, bis zum Nachtwächterstaat, der nur ein Mindestmaß öffentlicher Ordnung bietet und ansonsten dem Kapital freien Lauf lässt, ist alles erlaubt. Nur: Den menschlichen Eigennutz könnt ihr nicht abschaffen, aber eingrenzen. Und seid euch über die Kosten eurer Wahl im klaren!

Setzt euch also hin, und einigt euch, was der Staat leisten soll, und dann rechnet nach, was das kostet. Diese Rechnung zeigt ihr dann den Arbeitern und Kapitalisten (also euch selbst), da diese die Steuern zahlen müssen.

Vielleicht geht es auf, vielleicht müsst ihr aber auch noch mal nachrechnen.

HANS KÖPPEN, WARSCHAU, POLEN

Bundeskanzler Schröder hat sich der Kritik von Franz Müntefering an einem Teil der Wirtschaft angeschlossen. Bei einem Treffen mit Vorstandschefs deutscher Großunternehmen in Berlin, die sich zur Initiative Partner für Innovation zusammengeschlossen haben, nahm der Bundeskanzler diese Unternehmen ausdrücklich von der Kritik aus. Sie wüssten betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten sehr wohl mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden.

Eine dieser Firmen ist Bertelsmann. Herr Schulte-Hillen war viele Jahre Vorstandschef von Gruner und Jahr und Aufsichtsratschef von Bertelsmann. Er hat in diesen Funktionen mit großem Erfolg das gesellschaftspolitische Konzept von Bertelsmann umgesetzt: Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit.

Genau das, was Franz Müntefering fordert. Ist das wirklich derselbe Gerd Schulte-Hillen, der diesen Artikel schreibt? Hat er - jetzt im Ruhestand - seine Meinung so geändert? Merkwürdig.

FERDINAND BRÜNE, GÜTERSLOH