Diese Investoren heißen "Vulture Fonds" (Geierfonds), weil sie wie Leichenfledderer in fast oder vollständig insolvente Firmen einsteigen und aus den Überresten Geld machen wollen. Ihr Geschäft entstand in den USA und in Großbritannien. Viele der heute aktiven Fonds wurden Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger gegründet. In Deutschland sind sie erst seit rund zwei Jahren aktiv. Geierfonds sind weniger am operativen Geschäft interessiert als Private-Equity-Häuser. Ihr Renditeziel liegt bei mindestens zehn Prozent im Jahr.

Die Protagonisten:
Fast ausschließlich US-Firmen wie Cerberus, Citadel, Oaktree, Lone Star oder Apollo. Bei der Restrukturierung helfen spezialisierte Investmentbanken wie Houlihan Lokey Howard & Zukin oder Close Brothers. Einziger relevanter deutscher Akteur ist die Deutsche Bank.

Ausgewählte Deals:
Unternehmen Jahr Käufer Kaufpreis
Ish 2005 Apollo k. A. Peguform 2004 Cerberus k. A. Gagfah 2004 Fortress k. A.

Weitere Sanierungsfälle, bei denen Geierfonds-Vertreter mit am Verhandlungstisch saßen oder sitzen: Senator Entertainment, Augusta Technologies, VDN, Rinol oder KarstadtQuelle.

Wie funktioniert das Geschäft?
Geierfonds dringen über die Bilanz ins Unternehmen ein. Sie übernehmen die Forderungen von Gläubigern, indem sie diese Gläubiger mit großen Abschlägen auf die ursprüngliche Summe ausbezahlen. Für die Gläubiger ist das oft die letzte Möglichkeit, an Geld zu kommen. Dann versuchen die Fonds, ihre Forderungen in Eigenkapital zu tauschen. Sie leben vom Wiederverkauf der Unternehmensanteile, von Zinsen auf laufende Forderungen oder von Arbitrage: Haben sie eine Forderung im Wert von 100 zum Preis von 40 übernommen, machen sie bereits Gewinn, wenn das Unternehmen die Forderung zum Preis von 50 zurückkauft.

Was sagen die Kritiker?
Das Bemühen, schnell zu Geld zu kommen, schadet den angeschlagenen Firmen. Apollo etwa wollte 2004 den Kabelbetreiber Primacom übernehmen – um ihn auszuschlachten und zu liquidieren.

Was entgegnen die Investoren? Geierfonds sind oft die letzte Hoffnung überschuldeter Betriebe. Sie kaufen, wenn keiner kaufen will. Sie entlasten die Banken, weil sie ihnen riskante Kredite abkaufen und so helfen, angesichts strengerer internationaler Regeln ihre Bilanz zu verbessern. Geschätztes Volumen fauler Kredite in den Bilanzen deutscher Banken: bis zu 300 Milliarden Euro.