Öffentlich kritisiert sich niemand gern selbst. Und so mahnte der Bundestagsabgeordnete Peter Hintze den Fraktionsvorstand der CDU am vergangenen Montag auch nur hinter verschlossenen Türen: Wenn der Bundestag seinen Einfluss auf Europa besser nutzen wolle, müsse das Gremium wohl früher aufstehen und fleißiger werden. Hintze: Wir müssen den Arbeitstakt erhöhen und den Stil verändern.

Wohl wahr. Denn die parlamentarische Behandlung, wie sie die Union europäischen Themen zuteil werden lässt, ist zurzeit doch recht post festum.

Etwas spät kam beispielsweise der Vorwurf der Oppostion, die Erweiterung der EU um Rumänien und Bulgarien sei von der Bundesregierung schlecht ausgehandelt worden. In diesen Worten hatte der außenpolitische Sprecher der CDU, Friedbert Pflüger, auf die rot-grüne Europapolitik eingedroschen, assistiert vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Ihr Argument war ein ökonomisches: Es fehle in Deutschland, anders als in Österreich, an weitreichenden Zugangsbeschränkungen für die Dienstleistungsbranchen. Schon bald, so lautete die unterschwellige Botschaft, könnten nach den Polen und Tschechen nun auch noch bulgarische und rumänische Billigarbeiter den Deutschen die Jobs streitig machen.

Selbst wenn dem so wäre, die Warnung käme zu spät.

Längst sind die Beitrittsverträge mit den beiden Ländern ausgehandelt, vor wenigen Tagen wurden sie in Luxemburg feierlich unterzeichnet. Wenn die Regierungen in Sofia und Bukarest kräftig weiter reformieren, dürfen sie 2007 oder spätestens 2008 in Brüssel im EU-Europa mittun. Ein Nein von Bundestag und Bundesrat - theoretisch könnten sie die Ratifizierung der Verträge verweigern - halten sogar die Gegner der Erweiterung für unwahrscheinlich.

Denn so schwer, dass dafür ein außenpolitischer Eklat in Kauf genommen werden darf, wiegen die Ängste der Arbeitnehmer nun auch wieder nicht. Die Proteste halten sich in Grenzen, und ein paar Punkte auf der Popularitätsskala weniger sind ebenfalls kein Beinbruch.

Doch ist die Angst vor der Billigkonkurrenz überhaupt berechtigt? Auch nach dem Beitritt dürften Rumänen und Bulgaren sieben Jahre lang nicht als Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigt werden. Und für gefährdete Dienstleistungsbranchen, für die deutsche Bauwirtschaft, die Innendekoration und die Gebäudereinigung, gelten Schutzklauseln. Nicht, wie in Österreich, für die Pflegebranche, das ist wahr, aber die jammert ohnehin wegen Arbeitskräftemangels.