Hinter den Kulissen hat ein juristisches Pokerspiel im Strafverfahren gegen den Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls begonnen. Rund sechs Wochen vor dem offiziellen Prozessbeginn am 28. Juni wird am möglichen Strafrahmen gefeilt. Das Augsburger Gericht will den Prozess möglichst zügig ohne langwierige Beweisaufnahme über die Runden bringen. Die Verteidigung will erreichen, dass Pfahls möglichst glimpflich davon kommt. Die Chancen dazu stehen nach Einschätzung juristischer Kreise nicht schlecht.

Pfahls hat sein Schweigen bereits gebrochen. Zehn Stunden machte er Angaben zur Sache. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" räumte er dabei ein, von dem Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber Geld über ein Schweizer Nummernkonto erhalten zu haben. Sollte dies zutreffen, wäre das für die Ermittler ein Durchbruch bei der Durchleuchtung des weit verzweigten Schreiber-Schmiergeldkomplexes. Erstmals wären damit Zahlungen von Schreiber durch einen Beschuldigten bestätigt worden. In den anderen Verfahren hatte zwei Thyssen-Manager und der Politiker-Sohn Max Strauß (Maxwell) dies stets bestritten und Schreiber nie belastet. Das Geld an Pfahls soll über das Konto "Holgart" geflossen sein.

Die Verteidigungsstrategie für Pfahls scheint so zu sein, dass der Beschuldigte einen direkten Geldfluss für "Lobbytätigkeiten" einräumt, den Vorwurf der Bestechlichkeit aber zurückweist. Wäre Pfahls aber tatsächlich bestochen worden, so sei dieses Delikt von 1991 verjährt, argumentiert sein Mainzer Verteidiger Volker Hoffman, der selbst lange Jahre Staatsanwalt in Koblenz war. Diese Verjährung ist ein heikler, juristischer Punkt. Auch das Augsburger Gericht räumt ein, dass es in diesem besonderen Fall keine eindeutige Rechtsauffassung gebe. Die Verjährung der Bestechlichkeit wird in der Hauptverhandlung eine große Rolle spielen.

Pfahls, der selbst Staatsanwalt war, taktiert offenbar auf ein Teilgeständnis hin. Mit Sicherheit sind von ihm ein Auspacken über Vorgänge in der Zeit seines Mentors Franz Josef Strauß oder Details aus der Kohl-Regierung nicht zu erwarten. Dabei hat der frühere Verfassungsschutzpräsident aber ein Problem: Er muss irgendwie begründen, warum er sich fünf Jahre lang der Zielfahndung des Bundeskriminalamtes entzogen hat. Es ist wenig glaubhaft, die aufwändige Flucht rund um den Erdball sei nur wegen der Steuerhinterziehung erfolgt.

Pfahls soll laut Anklage von Schreiber für ein Fuchs- Panzergeschäft mit Saudi-Arabien rund zwei Millionen Schmiergeld erhalten haben. Drei Teilbeträge davon, unbestätigten Berichten zu Folge rund 380.000 Euro, sollen direkt an ihn ausgezahlt worden sein.

Nach einem Revisionsurteil des Bundesgerichtshofes zu den Augsburger Urteilen im Verfahren gegen Thyssen-Manager darf für die Strafzumessung aus einem Treuhandverhältnis nur der direkte Geldfluss an die Beschuldigten berücksichtigt werden. Dies könnte für Pfahls von Bedeutung sein, denn das Gericht muss nachweisen, wie viel Geld ihm Schreiber tatsächlich zukommen ließ. Mit einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung muss er auf jeden Fall rechnen. Es könnte aber sein, dass bei einem Strafmaß um zweieinhalb Jahre der Haftbefehl aufgehoben werden könnte, da Pfahls seit Juli 2004 in Untersuchungshaft sitzt.

Wenn es zutrifft, dass Pfahls von dem für ihn bestimmten Schreiber-Konto "Holgart" gewusst hat, kann das Auswirkungen auf das Revisionsverfahren von Max Strauß haben. Denn der hatte behauptet, als enger Vertrauter von Schreiber nie von einem Nummernkonto "Maxwell" für sich gewusst zu haben. Dies hatte ihm das Gericht nicht geglaubt und den Politiker-Sohn wegen Steuerhinterziehung über das Treuhandverhältnis zu Schreiber zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Nun wird es im Pfahls-Prozess spannend sein zu erfahren, wie und wann Pfahls von dem Schweizer Konto von Schreiber informiert wurde und wie die Gelder flossen. Das könnte für Strauß im Nachhinein brisant werden, denn sein Urteil ist noch nicht rechtskräftig.