Wohlfühl-Ranking" spotteten viele Professoren, als der Spiegel 1989 den ersten deutschen Hochschulvergleich veröffentlichte. Dennoch wirkte das Ergebnis der Studentenbefragung in der beschaulich-bräsigen Hochschullandschaft, die ihre Gleichförmigkeit eher als Stärke denn als Problem begriff, wie ein Paukenschlag. Denn die Studenten wollten lesen, was ihre Kommilitonen über ihr Studium dachten – und viele Abiturienten erfahren, was sie erwartet.

So blieb es nicht bei einem Ranking. Focus, Wirtschaftswoch e, Capital – die Ranglisten häuften sich, und der Ton wurde schärfer im Streit, ob überhaupt und, wenn ja, was Rankings zur Verbesserung der Hochschulen beitragen können. Die Antwort: Es kommt auf die Methode an. Unter Experten hat das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), das von diesem Jahr an in Kooperation mit der ZEIT erscheint, einen besonders guten Ruf, und zwar sowohl, was das Verfahren, als auch was die Aussagekraft des Qualitätsvergleiches betrifft.

Auch international hat sich das Ranking, das zuvor im stern veröffentlicht wurde, den Respekt der Fachleute verdient, wie eine Analyse von Hochschulvergleichen belegt. "Das vom CHE benutzte System zur Bewertung von Hochschulen ist vermutlich das beste verfügbare Modell in der Welt der Hochschulbildung", heißt es in der für die Vereinigung Europäischer Hochschulen erstellten Studie.

Seit dem ersten Erscheinen 1998 hat sich das CHE-Ranking ständig verfeinert, sind immer neue Fächer und weitere Leistungsmerkmale hinzugekommen. Mittlerweile fließen bis zu 30 Kriterien pro Disziplin in den Hochschulvergleich: von der Ausstattung im Labor bis zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Hochschullehrer. Knapp 210.000 Studenten und 21.000 Professoren haben sich mittlerweile daran beteiligt. Sämtliche 170.000 Angaben zu Lehre und Forschung an den mehr als 4.000 untersuchten Studiengängen finden nur im Internet Platz. Dazu kommen in diesem Jahr Daten zu Studiengängen aus Österreich und der Schweiz, als erster Schritt, um den vielzitierten europäischen Hochschulraum zu vermessen.

Keine dieser Einzelinformationen reicht, um einem Studiengang gerecht zu werden. Für einen sinnvollen Vergleich sollte der Nutzer möglichst viele Hinweise zu Qualität in Lehre und Forschung heranziehen – deren Bedeutung sich von Fach zu Fach unterscheiden kann. So wird einem angehenden Architekten wichtig sein, dass in seinem Fachbereich genug Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, um Entwürfe zu zeichnen. Ob seine Professoren viele Forschungsgelder einwerben, dürfte für ihn zweitrangig sein. Für einen Historiker ist eine gute Bibliothek unverzichtbar, für einen Zahnmedizinstudenten eine ausreichende Zahl von Behandlungsstühlen.

Das ist das Besondere am Hochschulvergleich des CHE: Es verbindet Breite mit Differenziertheit. Während andere Rankings ganze Hochschulen vergleichen, unterscheidet das Ranking von CHE und ZEIT nach einzelnen Fachbereichen. Denn nicht einmal Eliteuniversitäten liefern in allen Fächern Spitzenleistungen, deutsche Hochschulen erst recht nicht. Vielmehr kann die Mathematikerausbildung einer Universität exzellent sein, während die Wirtschaftswissenschaftler dem Stand der Forschung hinterherhinken; können die Medizinprofessoren eine höchst innovative Lehre bieten und die benachbarten Juristen den Gipfel der Hochschuldidaktik noch immer in der Massenvorlesung sehen.

Zudem verzichtet der CHE-Vergleich auf Rangplätze wie bei Bundesligatabellen. Die Einteilung in eine Spitzen-, Mittel- und Schlussgruppe vermeidet eine Scheingenauigkeit, denn oftmals unterscheidet sich der Bestplatzierte nur in einer Stelle hinter dem Komma vom Nächstfolgenden.

Ein weiterer Unterschied: Das CHE verrührt die einzelnen Kriterien nicht zu einer Gesamtpunktzahl. Denn was andere Leistungsvergleiche zu prägnanten Gesamturteilen zusammenfassen, hat für die wichtigste Zielgruppe der Rankings – Abiturienten und Studenten – nur wenig Informationsgehalt. Für die einen mag bei der Wahl der Universität die Bewertung durch die Studenten besonders entscheidend sein. Für die anderen sind es die Forschungsleistungen eines Fachbereichs. Das multidimensionale Ranking des CHE macht dagegen ein "persönliches Ranking" möglich. Es erlaubt den Nutzern im Internet (siehe unten), die ihnen wichtigen Eigenschaften selbst auszuwählen und zu gewichten.

Dabei sind Ranking-Ergebnisse nur eine Orientierung bei der Suche nach dem richtigen Studienplatz. Gespräche mit Professoren und Studenten im höheren Semester, der Besuch von Schnuppertagen und Orientierungsveranstaltungen der Hochschulen sind mindestens ebenso wichtig. Sie alle können helfen, mehr Rationalität in die wichtige Entscheidung zu bringen, die bei vielen Studienanfängern noch immer Unkenntnis oder Zufall prägen.

Genau darum können Rankings tatsächlich dazu beitragen, die Qualität der Hochschulen zu verbessern. Die Studienanfänger wissen, welche Fachbereiche für ihre Bedürfnisse am geeignetsten sind; die Fächer wiederum lernen, sich auf diese Erwartungen einzustellen. Wie sie dies machen sollen, darüber muss jedes Ranking schweigen. Denn warum die eine Hochschule ihre Studenten besser betreut als die andere, warum in diesem Fachbereich die Professoren mehr Fachartikel publizieren als an jenem, kann viele Gründe haben. Fehlendes Geld zum Beispiel oder unsinnige Hochschulgesetze. Gerecht mag das nicht sein. Aber in diesem Punkt haben Rankings mit Gerechtigkeit wenig zu tun.