Vergangenen Oktober bekamen Studenten der Fachhochschule Köln ein dringliches Schreiben. In wenigen Tagen werde das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) die Studenten für ein Ranking nach der Zufriedenheit mit ihrem Studium befragen, schrieb das Dekanat für Informatik und Ingenieurwissenschaften in seiner E-Mail. Die Fakultät hätte eine positive Bewertung verdient. Neben einer "Ausfüllhilfe" enthielt das Schreiben eine Warnung an die Studenten: Ein gutes Abschneiden im bundesweiten Leistungsvergleich sei eine "zwingende Voraussetzung für IHREN Einstieg in die Arbeitswelt". Die Studenten indes zeigten sich unbeeindruckt: In der Kategorie "Gesamturteil Studierende" landeten beide Fakultäten der FH Köln beim CHE-Hochschul-Ranking 2005 in der Schlussgruppe.

Es gibt zuverlässigere Wege, sich eine gute Position im umfassendsten Hochschulwettbewerb Deutschlands zu sichern: einen engen Kontakt zwischen Dozenten und Studenten, die gute Ausstattung mit Laborplätzen und Fachbüchern, bei Fachhochschulen der intensive Praxisbezug, bei Universitäten ein hohes Niveau der Forschung.

Eine Vielzahl deutscher Hochschulen beweist dies für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die das CHE in diesem Jahr neu unter die Lupe nimmt. Erstmals veröffentlicht die von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz getragene Einrichtung ihren Leistungsvergleich zusammen mit der ZEIT. Eine umfassende Übersicht der Ergebnisse liefert der neue ZEIT-Studienführer.

Besonders überzeugen kann in diesem Jahr die Universität Mannheim. In gleich vier Disziplinen – Politologie, Betriebs- und Volkswirtschaft sowie Soziologie – belegt sie fast durchweg Spitzenplätze. Ebenso in den Ranggruppen nach vorn geschoben hat sich Münster, wo sich insbesondere die Studierenden deutlich zufriedener zeigen als noch vor drei Jahren. Auch Fachhochschulen und junge Universitäten können punkten: die Uni Erfurt unter anderem bei den Medien- und Sozialwissenschaften, die Fachhochschule Esslingen in den Fächern Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre. Dagegen zeigen Universitäten wie Heidelberg und Bonn, dass gute Forschung nicht alles ist. Während die Jura-Fakultäten beider Hochschulen unter Professoren einen hervorragenden Ruf genießen, bewerten die Studenten die Lehre an ihrer Hochschule kritisch.

Denn Deutschlands Studenten werden wählerisch – und verändern damit die deutsche Hochschullandschaft. Das zeigt eine neue bislang unveröffentlichte Studienanfängeruntersuchung des Hochschul-Informations-Systems (HIS). Danach bleibt die Nähe zu Heimat und "Hotel Mama" für knapp zwei Drittel der Abiturienten ein wichtiger Grund bei der Suche nach einem Studienort. Mittlerweile jedoch achten ebenso viele angehende Akademiker bei der Wahl ihrer Wunsch-Uni auf andere Kriterien: eine gute Ausstattung (51 Prozent), den Ruf ihrer zukünftigen Hochschule (52 Prozent) sowie vor allem, dass das Lehrangebot ihren fachlichen Interessen entspricht (83 Prozent).

Ebenso steigt die Bedeutung von Rankings für die Studienanfänger – und damit für die Hochschulen. Dabei orientieren sich gerade die zielstrebigen und karriereorientierten Studenten an den wissenschaftlichen Leistungsschauen, angehende Natur- und Wirtschaftswissenschaftler stärker als Kultur- und Sozialwissenschaftler. Fachbereiche mit guten Ranking-Ergebnissen verzeichnen im folgenden Semester einen deutlichen Zulauf von Studieninteressierten, wie Untersuchungen für Fächer wie Medizin oder Psychologie belegen. "Die Studenten erproben ihre Macht", analysiert CHE-Chef Detlef Müller-Böling. Und zwar weniger durch Demonstrationen, Asta-Wahlen oder die Mitarbeit in Hochschulgremien, wie man früher dachte. Der größte Einfluss wächst den Studenten in Zukunft durch die Wahl ihrer Hochschule zu.

Noch ist dieser Gedanke neu, denken die meisten Hochschulleitungen und Bildungspolitiker beim Wort Wettbewerb in erster Linie an Forschung und Professoren. Sie wünschen sich heimische Nobelpreisträger und bangen davor, dass die besten Nachwuchswissenschaftler ins Ausland fliehen. Vom umstrittenen Elitewettbewerb sollen Forschungszentren und Graduiertenschulen profitieren. Von Studenten ist im Konzept nirgendwo die Rede. Die Förderung der Lehre wurde auf Drängen der Länder nach Zuständigkeitsstreitereien gestrichen. Dabei wäre ein Programm zur Spitzenlehre überfällig.

Denn gute Universitäten zeichnen sich nicht nur durch hervorragende Forscher aus, sondern ebenso durch exzellente Studenten. Die gilt es zu umgarnen. Obwohl Hochschulen wie Harvard oder Princeton zehnmal mehr Bewerber haben als Studienplätze, ziehen Mitarbeiter der Universitäten jedes Jahr durch die besten Highschools des Landes, um die Talente von morgen zu entdecken und mit Stipendien und speziell zugeschnittenen Studienprogrammen zu locken. Seit einigen Jahren finden solche Vorbilder auch in Deutschland Nachahmer. So veranstaltet die TU München Workshops für begabte Mathematikschüler. Die Universität Köln spielte den Vorreiter für die Schüleruniversitäten, in denen Einser-Kandidaten bereits vor dem Abitur Kurse besuchen, die ihnen später anerkannt werden. Mit erstaunlichen Ergebnissen: So schrieb die beste Informatikklausur an der Universität Düsseldorf im Sommersemester 2003 ein Schüler der Klasse acht.