Derzeit werden an vielen Theatern Intendantenwechsel vorbereitet, in Hamburg, Stuttgart, Bochum, Zürich. Diese Veränderungen sorgen für weniger Furore als ein Wechsel, der erst in drei Jahren ansteht: Klaus Bachler, Direktor des Wiener Burgtheaters, wird 2008 Intendant der Bayerischen Staatsoper München. (Eigentlich war das bayerische Kunstministerium sich mit Christoph Albrecht, dem einstigen Intendanten der Semperoper, einig. Doch vor zwei Monaten machten die Münchener einen Rückzieher.)

Bachler, 1951 in der Steiermark geboren, ist ein Bühnenmensch, der die Seiten gewechselt hat. Als Schauspieler in Salzburg, Göttingen und Hamburg gab er drahtige, bisweilen sinistre Herren. Schon früh wurde sein Talent offensichtlich, Konflikte zu moderieren - als Ensemblesprecher und künstlerischer Direktor des Berliner Schillertheaters. Er wurde Intendant der Wiener Festwochen (1991) und der Wiener Volksoper (1996) - beides mit großem Erfolg. Seit 1999 leitet er die Wiener Burg, und im Gegensatz zum Vorgänger Claus Peymann, der das Haus auflud mit seinem Ego, ist Bachler dort kaum spürbar. Er gibt der Burg keine Handschrift, sondern die Produktpalette des edelsten Spielkaufhauses. Er beschäftigt gegensätzlichste Typen, Bondy und Sebastian Hartmann, Grüber und Kusej, und selbst Andrea Breth und Christoph Schlingensief, die sich die polemischsten Gefechte im deutschen Theater liefern, sind friedlich in derselben Kantine denkbar, wenn Bachler, beide umarmend, zwischen ihnen steht.

Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse sagt, er habe an Bachlers Gabe zu Mediation gelitten. Bachler vergab an Menasse vor Jahren den Auftrag, ein Stück für die Burg zu schreiben - aufgeführt wurde es nie. Es seien nicht die richtigen Konstellationen zustande gekommen, das Stück zu spielen, lässt Bachler verlauten. Menasse dagegen sagt, sein Stück sei von Bachler verhindert worden aus Angst vor politischem Konflikt: Mein Stück behandelt die Demokratiedämmerung in Europa. Es kommt ein Politiker darin vor, in dem man Franz Morak erkennen kann, den österreichischen Kulturstaatssekretär.

Bachler will mit Morak, seinem Dienstgeber, keinen Konflikt - jetzt schon gar nicht, da er dessen Wohlwollen braucht, um vorzeitig aus seinem Wiener Vertrag herauszukommen.

Vergangene Woche habe Bachler das Stück an Menasse zurückgegeben. Menasse: Bachler hatte die absurdeste Begründung: Er fände keine Schauspieler dafür.

Er gab mir die Namen einiger Schauspieler, die angeblich abgesagt hatten - ich rief sie an - keiner hatte mein Stück je zu lesen bekommen.

Menasse wirft Bachler vor, dessen Harmoniebedürfnis diene allein der Karriereplanung: Er hält keine Verträge ein - er ist ununterbrochen auf der Flucht. Bachler sieht das naturgemäß anders. Er verlasse Wien, so sagte er, weil man dort rasch zu einem eingemauerten Denkmal an der Ringstraße werde.