Mit Plakaten und einem TV-Spot will die Berliner Charité potenzielle Sexualstraftäter auf ein weltweit einmaliges Präventionsprojekt aufmerksam machen. Das Projekt, für das sich bereits im Vorfeld Männer aus Deutschland und Österreich gemeldet haben, wird am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Das Institut für Sexualmedizin an der Klinik will dabei Männern, die um ihre pädophilen Neigungen wissen und sie zügeln wollen, eine vorbeugende Therapie anbieten – bevor sie sich an Kindern vergreifen.

„Wir gehen einen neuen Weg und wenden uns an potenzielle Täter “, sagte der Leiter des Instituts, Klaus Beier. Weniger als die Hälfte der Männer, die sexuelle Fantasien mit Kindern haben, lebt diese der Studie zufolge tatsächlich aus. „Es gibt Männer, die wollen auf jeden Fall vermeiden, dass Kinder zum Opfer werden“, sagte Beier. Bisher wüssten diese Männer aber nicht, wohin sie sich wenden sollen, wenn sie Hilfe suchen. „Es wäre Unterlassung, wenn man denen keine Hilfe anbietet“, sagte Beier.

In Einzel- und Gruppensitzungen sollen potenzielle Täter lernen, ihre Neigungen zu beherrschen. 50 Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Die Beratungsstelle Zartbitter begrüßte das Programm grundsätzlich, forderte aber auch Maßnahmen zur Betreuung von Opfern. Sie kritisierte die absolute Schweigepflicht der beteiligten Therapeuten und Mediziner. So dürfen auch Straftaten, die erst in der Therapie bekannt werden, aufgrund der Schweigepflicht nicht angezeigt werden. Wenn ein Pädosexueller sage: „Ich habe ein Kind missbraucht“, müssten die Leiter des Charité-Projekts dafür Sorge tragen, dass dieses Kind ebenfalls betreut werde.

Am 1. Oktober soll das dreijährige Therapieprogramm, das von der Volkswagen-Stiftung mit 500.000 Euro unterstützt wird, beginnen. Nach Angaben der Polizei werden in Deutschland jährlich 20.000 Kinder missbraucht, laut Experten liegt aber die Dunkelziffer 15 bis 20 Mal höher.