Ausland greift nach deutschen Banken

Der deutsche Bankenmarkt gerät wieder in Bewegung. Während in München Vertreter der UniCredito Italiano mit Managern der HypoVereinsbank über eine Fusion ihrer Häuser verhandeln, gibt es neue Gerüchte zur Commerzbank . Angeblich plant die Deutsche Bank, den ewigen Übernahmekandidaten gemeinsam mit einigen anderen europäischen Großbanken zu kaufen. Doch in Frankfurt mag niemand solche Pläne bestätigen. Dagegen teilte die HypoVereinsbank an diesem Montag offiziell mit, sie führte mit den Italienern Gespräche über "eine mögliche Zusammenführung ihrer Unternehmen". Ergebnisse dieser Gespräche seien für diesen Herbst zu erwarten, vermutlich "vor September oder Oktober", sagte der UniCredito-Vizechef Fabrizio Palenzona an diesem Dienstag.

Gerüchte um ein Zusammengehen der beiden Finanzinstitute kursieren schon seit Jahresbeginn. Am Freitag war dann zu hören gewesen, beide Banken sprächen miteinander, seien aber noch nicht in einem entscheidenden Stadium angelangt. Dass nun offizielle Verhandlungen bestätigt werden, halten Beobachter für einen Hinweis darauf, dass die Gespräche eine ernste Phase erreicht haben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet allerdings, auf die jetzige Bestätigung der Gespräche hätten die Aufsichtsbehörden gedrängt.

Größte Bankenfusion Europas

Schon in den vergangenen Wochen hatte der Vorstandsvorsitzende der HVB, Dieter Rampl, mehrfach angedeutet, dass eine Allianz mit einer italienischen Bank strategisch sinnvoll sei und sich sein Geldinstitut wohl mit der Rolle des Juniorpartners begnügen würde. Der größte Anteilseigner der HVB, die Münchener Rück,  hatte sich ebenfalls offen dafür ausgesprochen, dass die HVB sich mit einem anderen Finanzinstitut zusammenschließt. Die Münchener Rück hält rund 18 Prozent an der HypoVereinsbank.

Wenn die Verhandlungen zwischen HVB und UniCredito nicht scheitern, wäre das Zusammengehen der beiden Geldhäuser die bislang größte Bankenfusion in Kontinentaleuropa. Die HVB ist die zweitgrößte börsennotierte deutsche Geschäftsbank. Allerdings betonten Sprecher der HypoVereinsbank, dass die Gesprächspartner noch keine Vereinbarung erzielt hätten. Der Ausgang der Gespräche sei offen. "Die Parteien beabsichtigen nicht, weitere Stellungnahmen dazu abzugeben."

Kauf im Aktientausch

Die österreichische Zeitung Presse zitierte einen nicht genannten UniCredito-Spitzenmanager mit den Worten: "Wir wollen die Mehrheit." Auch in Branchenkreisen wurde betont, dass nur eine Übernahme durch die Italiener vorstellbar sei. UniCredito wird an der Börse mit rund 26 Milliarden Euro bewertet, die HVB mit etwa 15 Milliarden Euro. Am Montag stieg der HVB-Aktienkurs zwischenzeitlich leicht auf gut zwanzig Euro.

Ausland greift nach deutschen Banken

Die Italiener planen offenbar, die HVB per Aktientausch zu kaufen. Die Transaktion könnte ein Volumen von 16 Milliarden Euro erreichen. Gemeinsam kämen das mögliche neue Institut auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 40 Milliarden Euro und gehörte dann zu den zehn größten Geldhäusern Europas.

Stärke Osteuropa

UniCredito war im vergangenen Jahr die profitabelste Bank Italiens. Der Gewinn stieg um neun Prozent auf 2,13 Milliarden Euro. Die HypoVereinsbank machte dagegen 2004 einen Verlust von fast 2,3 Milliarden Euro, weil sie Immobilienkredite neu bewerten musste. Insgesamt summieren sich die Verluste der HVB aus den vergangenen drei Jahren auf bald sechs Milliarden Euro. Allerdings hat die Bank nach eigener Einschätzung ihre Bilanz inzwischen von allen Altlasten bereinigt. Außerdem sollen rund 2000 Stellen in der Verwaltung wegfallen. Damit ist die HVB für ausländische Interessenten deutlich attraktiver geworden.

Bei einer möglichen Übernahme der HypoVereinsbank dürfte die UniCredito vor allem am starken Osteuropageschäft der HVB interessiert sein, das bei der Bank Austria gebündelt ist. Auch UniCredito ist in Osteuropa stark vertreten. Durch einen Zusammenschluss der beiden Geschäfte würde ein neuer Marktführer in Osteuropa entstehen.

Sicherheit für Mitarbeiter?

Fachleute halten die mögliche Fusion für ein weiteres Signal zur Bereinigung der deutschen Bankenlandschaft. Der deutsche Markt sei für große internationale Banken weiterhin attraktiv, sagt beispielsweise Wolfgang Gerke, der an der Universität Nürnberg-Erlangen Banken- und Börsenwesen unterrichtet. Zudem seien die deutschen Banken börsenmäßig unterbewertet und ihre Renditen seien international nicht konkurrenzfähig. Dieses Argument hatte auch der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Joseph Ackermann, vorgebracht , als er ankündigte, die Rendite seines Hauses in diesem Jahr über 25 Prozent heben und dafür auch Stellen streichen zu wollen.

Die HypoVereinsbank sei durch Managementfehler zum Aufkaufkandidaten geworden, sagte Gerke. UniCredito könnte durch die Fusion zahlreiche Kundenkontakte erwerben. Die Chance der HVB liege darin, dass sie ihre Umstrukturierung nun unter noch mehr Zwang durchführen müsse. "Die Italiener sind bekannt dafür, dass sie nicht lange fackeln." Für die HVB-Beschäftigten könnte der Zusammenschluss nach Ansicht des Bankenfachmanns dennoch zunächst Vorteile bringen. "Da es keine Doppelbesetzungen gibt, wird zunächst wohl weniger Personal abgebaut, als es bei einer Fusion von zwei deutschen Großbanken der Fall wäre."

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Commerzbank wieder Übernahme-Ziel

Dennoch fürchten HBV-Mitarbeiter um ihre Jobs. "Uns wäre es lieber gewesen, die HypoVereinsbank bleibt eigenständig", sagte Klaus Grünewald. Er vertritt im Aufsichtsrat der Bank die rund 57.000 Arbeitnehmer. Dennoch hält Grünewald die mögliche Übernahme durch UniCredito immer noch für eine bessere Lösung als etwa der Zusammenschluss mit der oft als Übernahmekandidat genannten Commerzbank. "Managementmäßig und für die Mitarbeiter wäre eine Fusion mit der Commerzbank eine blanke Katastrophe gewesen", sagte Grünewald. Bei einem innerdeutschen Zusammenschluss wäre der Druck, Arbeitsplätze abzubauen, deutlich größer.

Bei der Commerzbank rechnet man unterdessen mit weiteren Übernahmeversuchen. "Manches andere europäische Institut wird sich Gedanken machen, wie es sich am attraktiven deutschen Markt beteiligen kann", sagte Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch am Montag. Zwar hatte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte jüngst verkündet: "An einem Wiederaufflackern dieser Diskussion sind wir nicht interessiert, die Commerzbank geht ihren eigenen Weg", und bekräftigt: "Die Commerzbank ist als selbstständiges Institut so positioniert, dass wir auch in Zukunft auf eigenen Füßen stehen können."

Zweite Chance für Deutschbanker?

Doch das Wall Street Journal Europe berichtete am Montag, die Deutsche Bank bereite gemeinsam mit den Konkurrenten Royal Bank of Scotland, BNP Paribas und Société Générale die Übernahme der Frankfurter Bank vor. Noch gebe es aber keine konkreten Offerten oder gar Verhandlungen. Die Führung der Deutsche Bank hatte vor zwei Wochen bestätigt, zusätzlich zur Ausweitung der eigenen Geschäfte auch gezielt hinzukaufen zu wollen. Von der Übernahme einer anderen Bank war damals jedoch keine Rede gewesen.

In der Vergangenheit war das größte deutsche Finanzinstitut mit dem Versuch, einen deutschen Konkurrenten zu übernehmen, schon einmal gescheitert. Im Sommer 2000 misslang die Fusion mit der Dresdner Bank. Auch ein Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank hatte später keinen Erfolg. Heute gehört die Dresdner Bank zum Allianz-Konzern.