Die Tatsache, dass Studierende angeblich ihre Macht mehr durch die Auswahl der Hochschule erproben als durch Demonstrationen, AStA-Wahlen oder die Mitgliedschaft in Hochschulgremien, bedeutet einen Verlust an politischer Kultur und langfristig gesehen die schleichende Entmachtung der verfassten Studierendenschaft.

Wenn die Macht des Studierenden mit der Auswahl der Hochschule endet, was passiert dann bei unliebsamen Veränderungen während des Studiums? Neuwahl (der Hochschule)? Oder wenn die Wahl zwischen verschiedenen Hochschulen irgendwann die zwischen zu teuer und unbezahlbar ist? Immerhin wird die finanzielle Bürde und damit die Zulassungsbeschränkung für sozial Schwache im Rahmen der Ökonomisierung des Bildungssystems nicht geringer werden.

Die Veränderung der Hochschullandschaft im Rahmen eines solchen Wettbewerbs als positiv zu interpretieren ist Sarkasmus. Denn der von Herrn Spiewak beschriebene Trend, nach dem gute (schnelle, zahlungskräftige) Studenten sich gute (finanzstarke und gut ausgestattete) Universitäten suchen und umgekehrt, beschreibt keinen Fortschritt, sondern einen Rückfall in eine Zweiklassengesellschaft innerhalb des Bildungssystems.

JOHANNES GRÜN, MARBURG

Die von Ihnen genannte Universität Mannheim hat einen guten Ruf, so viel steht fest. Die Studenten haben das Recht auf eine Ausbildung, welche sie nach Abschluss des Studiums für einen geeigneten Arbeitsplatz qualifiziert.

Aber soll es wirklich die Zukunft der Hochschulen sein, ausschließlich wie die Wirtschaft zu sprechen? Ein Anglistikstudium mit 40 Prozent Wirtschaftsinhalt?

Ist ein solches totales Ausrichten auf die Verwertbarkeit von Bildung und Ausbildung nicht der falsche Weg, um zu mehr neuem Denken und damit Innovation zu gelangen?