Christine Eckhardt versucht, sich durch schlechte Zahlen nicht beirren zu lassen. In einem Jahr will die 32-Jährige ihr Germanistikstudium in Hamburg abschließen und dann ihren Kindheitstraum vom eigenen Buchladen erfüllen. Dafür musste sie jahrelang kämpfen. Nach zwei gescheiterten Lehren hat sie ihr Abitur nachgemacht und als alleinerziehende Mutter zweier Söhne ihr Studium durchgezogen. Wirklich gern studiert hat sie nicht, die Uni scheint ihr zu unpersönlich, das Studium praxisfern. Dazu kamen überlaufene Vorlesungen und die nervtötende Bürokratie. "Immer von Büchern umgeben sein und dabei selbstständig arbeiten", das sei ihr Traum. Ein kleiner, persönlicher Buchladen mit Sofas und viel Holz soll es werden, in dem man auch Wein kaufen und Seminare buchen kann. Sorgen um die Finanzierung macht sich Christine Eckhardt noch nicht, befreundete Betriebswirte wollen sie bei der Kalkulation unterstützen. "Auch wenn es am Ende schief geht, will ich es auf jeden Fall probiert haben", sagt sie. Am Geld sollte so ein Traum doch nicht scheitern.

Ohne Leidenschaft und Kreativität kommen Buchhändler nicht weit

Der Traum, den sich Therese Hochhuth erfüllt hat, ist das genaue Gegenteil: Endlich raus aus dem Buchladen und rein in die Uni. Seit Herbst 2002 studiert die gerlernte Buchhändlerin an der Universität Lüneburg Angewandte Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Literatur. Nach dem Abi an die Universität zu gehen, das kam für sie nicht infrage: "Ich hatte einfach dieses Bild vom rumhängenden Studenten, der sich durch überfüllte Vorlesungen quält, ewig für seinen Abschluss braucht und danach auch nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll", sagt sie. Seit dem Ende ihrer Ausbildung im Jahr 2001 arbeitet Therese Hochhuth im Buchhandel, leitete zwischendurch sogar eine Filiale. Sie liebt ihren Job, trotzdem ist sie überzeugt, dass das zusätzlich Studium das Beste ist, was ihr passieren konnte: die freie Zeiteinteilung, nicht mehr an Ladenöffnungszeiten gebunden sein, den eigenen Horizont erweitern. "Hätte ich die Ausbildung und die Berufserfahrung nicht, könnte ich mein Studium keinesfalls so genießen, wie ich es jetzt tue", sagt sie. Dem Buchhandel bleibt sie trotzdem treu und jobbt weiter in ihrem alten Ausbildungsbetrieb. Schließlich will sie nicht die Branche wechseln, sondern einfach ein bisschen tiefer einsteigen.

Über den Idealismus, mit dem viele Studenten den eigenen Buchladen planen, wundert sich die 27-Jährige manchmal. "Der Buchhandel ist nichts für bibliophile Träumer, da muss man vor allem Kaufmann sein", sagt sie. Eine eigene Buchhandlung aufzumachen, kann sie sich nicht vorstellen. "Ich habe viele Buchhändler in der Familie und weiß, was Selbstständigkeit bedeutet", sagt sie. "Man hat einfach nie Feierabend und muss mit unglaublich viel Leidenschaft und Kreativität bei der Sache sein." Kurt von Hammerstein weint der Uni keine Träne nach. Dass neben der Arbeit im Laden auch noch jede Menge Freizeit für die Buchhaltung draufgeht, stört ihn nicht, und auch eine mögliche Pleite schüchtert ihn nicht ein. "Dann hatte ich eben eine unglaublich tolle Zeit und fange etwas Neues an", sagt er. "Da wir von den Banken keinen Kredit bekommen haben, hätte ich im Fall der Pleite wenigstens keine Schulden am Hals."

Und was sagt die prophetische Mutter zur Buchhandlung ihres Sohnes? "Die hat mir am Eröffnungstag den halben Laden leer gekauft", erzählt er. "Und dabei sah sie sehr glücklich aus."

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