Seit Jahren betreue ich ehrenamtlich Kinder aus sozialen Randgebieten: Deutsche mit Familienschwierigkeiten, Jugoslawen, Türken, Russen, Syrer und Kasachen.

Es ist mir aufgefallen, dass die ausländischen Eltern häufig großen Wert auf eine gute Schulbildung ihrer Kinder legen. Es ist oft das Einzige, was sie ihren Kindern mitgeben können. Die Familien wohnen zum Teil in beengten Verhältnissen. Die Kinder erleben früh, dass man sich anstrengen muss, um sich in der neuen Heimat durchzusetzen. Sie haben manchmal eine Art von Pioniergeist, der den Deutschen ziemlich abhanden gekommen ist. Es ist daher nicht verwunderlich, dass junge Türken ihren levantinischen Händlergeist mobilisieren und erfolgreich Imbissbuden, Näh- und Flickstuben und Lebensmittelgeschäfte führen. Bis jetzt habe ich nicht erlebt, dass eines meiner Kinder in sein Ursprungsland zurückgekehrt ist. Sie haben deutsche Freunde, heiraten oft deutsche Partner und akzeptieren die Bundesrepublik als ihre neue Heimat. In keiner Statistik über die desolate Altersstruktur in Deutschland wurde bisher berücksichtigt, dass eine neue Generation von Ausländerkindern heranwächst, die später einen wesentlichen Faktor in unserem sozialen Gefüge darstellt. Man kann nicht einfach so tun, als ob nur Deutsche in der BRD leben. Es hat zu allen Zeiten Völkerwanderungen gegeben, die für eine Blutauffrischung und neue Impulse gut waren.

BEATRICE VOGELBACH, GRENZACH-WYHLEN