... führt uns dieser hinreißende Band von Bernd Pappe und Juliane Schmieglitz-Otten: Miniaturen der Revolutionszeit 1789-1799 aus der Sammlung Tansey - Hirmer Verlag, München - 419 S., 75,80 e. Wir sehen die Erprobung des freien Blicks und der tugendhaften Pose und entdecken zugleich in goldenem Rund (mit fünf oder sechs Zentimetern im Durchmesser) fotografisch anmutende Porträtstudien von faszinierender psychologischer Tiefenschärfe. Die winzigen Bilder, zumeist sind es Aquarelle und Gouachen auf Elfenbeingrund, stammen aus der Sammlung von Liselotte und Ernest Tansey, die Hunderte Miniaturen aus dem 18. und 19. Jahrhundert zusammengetragen und dem Bomann-Museum in Celle anvertraut haben. Noch bis zum Herbst zeigt das Haus 160 Porträts aus dem Jahrzehnt der Französischen Revolution (Tel. 05141/123 72). Unsere Abbildung stellt eine leider unbekannte Dame dar, gemalt von der Miniaturistin Marie Gabrielle Capet - möglicherweise ist es ein Selbstporträt. Auch wer der Herr ist, wissen wir nicht, noch kennen wir den Namen des vermutlich französischen Künstlers. Mag sein, dass der Mann im grauen Rock ein Enthusiast, mag sein, dass er ein Karrierist der neuen Freiheit war: Es ist, als begegneten wir in diesen Gesichtern und Gesten dem Geist und dem Gestus jener Zeit selbst, in der das moderne Europa geboren wurde.