Schneider: Er sagte: Entweder du singst für mich, oder du singst für niemanden. Dann schrieb er Briefe an jeden in unserer Branche: Pass auf, sie nicht, sie gehört zu mir. Richtig frei von ihm war ich erst Jahre später.

ZEIT: Das klingt ein bisschen nach Zuhälter.

Schneider: Wenn Sie so wollen, muss ich ihm fast ein bisschen dankbar sein. Ihm und Udo Lindenberg. Denn da ich einige Zeit in den USA nicht auftreten konnte, lud mich Udo ein, mit ihm in Deutschland auf Tour zu gehen.

Dieses Interview hat mit einem Zufall zu tun. In einem engen Hamburger Café nahm am Nebentisch eine Frau Platz, deren Gesicht in den achtziger und neunziger Jahren die deutsche Musiklandschaft als "Rock ’n’ Roll Gipsy" geprägt hat: Helen Schneider. Zierlich, blass, schwarz gekleidet, mit roten Lippen. Die Tische standen in dem Café so nah beieinander, dass man zwangsläufig zuhören musste. Sie erzählte einem jungen Mann – später stellte sich heraus, es war der bekannte Jungschauspieler Tino Mewes, mit dem sie bald vor der Kamera steht – von den Stationen ihres Lebens: Las Vegas, New York, Südfrankreich. Sie erzählte sehr eindringlich von ihrem Rock-’n’-Roll-Leben, von den Gefahren, wie sie mit 17 nach Las Vegas gezogen ist… Das Interesse war geweckt: Einige Tage nach dieser zufälligen Begegnung fragten wir bei ihr ein Interview an. Es fand dann im Wintergarten des Bremer Parkhotels statt. Sie kommt herein, zierlich, schwarz gekleidet, rote Lippen. Ihr linker Daumen ist dick verbunden.

ZEIT: Sie tragen einen Verband am linken Daumen.

Schneider: Oh, ich habe mich bei der Gartenarbeit geschnitten. Leider hat es sich entzündet.