Schneider: Ja, ich mag ihn bis heute. Ich mag überhaupt alternative Leute gern. Mehr als die so genannten beautiful people .

ZEIT: Frau Schneider, wir sind im Jahr 2005. Wenn Sie einen beruflichen Wunsch frei hätten…

Schneider: Zwei bitte. Ich hoffe erst einmal, dass der Film realisiert wird, bei dem Tino Mewes und ich die Hauptrolle spielen. Es ist eine Kriegsgeschichte, die in Berlin spielt, ich bin eine russische Emigrantin. Sie ist verheiratet mit einem Arier, hat einen jüdischen Sohn, Tino eben, den sie aus Russland mitgebracht hat. Eine superspannende Geschichte, und alle kämpfen gerade dafür, dass genügend Geld zusammenkommt.

ZEIT: Und der zweite Wunsch?

Schneider: Ich würde gern Die gute Mensch von Sezuan ("Die" heißt es im Originaltitel – Anm. d. Red.) von Brecht spielen, bevor ich zu alt bin. Er hat gesagt, wenn eine Gesellschaft sich nur noch um Materielles dreht, wenn nur noch Ökonomie wichtig ist, dann ist das Leben tot. Wir stehen am Eingangstor zu dieser toten Welt. Man merkt gar nicht, wie man dabei abstirbt. Der Kommunismus war und ist keine Antwort, aber wir müssen dringend eine finden.

ZEIT: Warum fürchten Sie, für die Rolle zu alt zu sein?

Schneider: Na ja, die Figur ist eben ein junger Mensch. Das mit dem Alter ist überhaupt so eine Sache. Ich finde es schwierig, als Frau in der Öffentlichkeit zu altern. Ich fühlte mich jedenfalls mit 30 damals auf einmal zu alt für Rock ’n’ Roll. Die Schauspielerei macht es einem auch nicht viel leichter. Heute weiß ich, für jede Tür, die sich schließt, öffnen sich neue, ich kann also mittlerweile mit meinem Alter ganz gut leben.