ZEIT: Dabei heißt es doch immer, mit den Jahren wird man erfahrener und klüger.

Schneider: Ich dachte, wenn man jung ist, hat man unendlich viele Fragen an sich und das Leben – und wenn man älter ist, kommen die Antworten. Bei mir ist das Gegenteil richtig. Je älter ich werde, umso mehr Fragen habe ich. Allerdings weiß ich mittlerweile, dass Antworten nicht immer eindeutig sein können, es gibt Graustufen.

ZEIT: Zum Beispiel?

Schneider: Neulich war eine junge Musikerin bei mir. Ich sollte ihr einen Rat geben, wie sie weitermachen soll: Einen Job annehmen, der ihr nicht so lag, oder ihren Traum weiterverfolgen, der aber wahrscheinlich Erfolglosigkeit bedeutet. Ich wusste nicht, was ich ihr empfehlen sollte. Ich konnte ihr nur sagen: Fehler gehören zum Leben. Diese dumme Phrase Je ne regrette rien ist doch bullshit. Das ist doch Unsinn. Natürlich habe ich Fehler gemacht, ich hoffe nur, aus ihnen gelernt zu haben.

ZEIT: Was ist Ihr Lieblingsalter?

Schneider: Mitte 30. Ich hatte damals zum allerersten Mal das Gefühl, aufzuwachen. Mir war auf einmal klar, man muss sich selbst leben. Ich war ohne Angst und hatte den Willen, etwas zu tun. Es war so ein "Auf geht’s, Schneider!". Aber es ist nicht ungefährlich, aufzuwachen!

ZEIT: Wie wir erzählten, haben wir Ihnen zugehört, als Sie Tino Mewes von den Gefahren Ihrer Branche erzählt haben, wie schnell man an die falschen Menschen gerät, wie leicht man den Boden unter den Füßen verliert. Frau Schneider, Sie sind seit mehr als 30 Jahren dabei, wie haben Sie überlebt?