Ausgerechnet Tauben. Ausgerechnet das verhasste, penetrant gurrende Tier, das mit seiner weißen Kotspur Fassaden und Parkbänke der Städte versaut. Für den ungarischen Schriftsteller Lajos Parti Nagy ist die Taube alles, nur keine Brief- oder Friedenstaube. Er benutzt sie in seinem Roman Meines Helden Platz wie Walt Disney Donald Duck oder Bulgakow Bello in seiner berühmten Novelle Hundeherz. Das Tier ist Mensch, und der Mensch wird zum Tier. Die Taube verkörpert bei Lajos Parti Nagy die falsche Macht, die falsche Sprache und die falsche Liebe. Die Taube dringt in das private Leben der Menschen ein und treibt, wie die kommunistischen Potentaten und die ihnen ergebenen Spitzel, ihr bösartiges Spiel. Lajos Parti Nagy setzt zu Beginn seines Romans einen Schriftsteller, der sich für alles interessiert, "was deformiert und verdorben ist", in eine Dachkammer. Er ist Spitzwegs armer Poet am Computer. Arm ist er wirklich, denn der Schriftsteller hat eine unliebsame Glosse verfasst, und die Taubenmafia, die im Jargon des spöttischen Autors "ethisch homogene Kollergesellschaft" heißt, ist hinter ihm her, Spaß verstehen die nicht.

Spaß hat es dem 52-jährigen Lajos Parti Nagy gemacht, dem System, in dem er aufwuchs und in dem er sich als Redakteur einer Literaturzeitschrift und Übersetzer durchschlug, ein Buch nachzureichen, das den langen Albtraum noch einmal als Schatten- und Kehrseite in seiner ganzen tödlichen Lächerlichkeit zeigt. Geschrieben nicht als Politdokumentation, nicht als Wahrheitsroman, sondern als Farce der Macht. Alles ist anders als im wirklichen Leben, aber genauso schlimm.

Es ist schwer, einen Mann in eine Taube zu verwandeln

Der Diktator sitzt in Taubengestalt auf der verschissenen Fensterbank und nicht im Anzug mit Orden im Palast der Republik. Unten blickt man auf den Budapester Heldenplatz, und Lajos Parti Nagy lässt den Schriftsteller, sein Alter Ego, sagen: "Setz dich hin und schau dich um, kneif dich in den Arm, schau dir an, was Wirklichkeit ist, und was du dir vorstellst! Was du dir vorstellst, ist Literatur…"

Das Vexierspiel zwischen Fiktion und Realität ist Lajos Parti Nagys Programm. Also will sich der stolze Täuberich Caesar Tubitza, höflich und despotisch, umgeben von dienstbereiten "Adlerboys", die Menschheit untertan machen und findet, dass ein Schriftsteller ein guter Prototyp dafür ist. Es ist schwer und schmerzhaft, einen ausgewachsenen Mann in eine ausgewachsene, fliegende Taube zu verwandeln. Aber es fällt dem Autor leicht, die Gespenster seiner Fantasie auf hohem Niveau und sprachlich geschmeidig auf Trab zu halten. Ironie als Waffe der Ohnmächtigen, traditionell in einem Land wie Ungarn eingeübt, stirbt nicht mit dem Ende des Kalten Krieges. Aus Angst lachen, das kennt man ja, und mit der Ohnmacht des Einzelnen ist es auch in einem freien Land nicht vorbei. Von dieser Wahrheit erzählt der Roman.

Aber weshalb so kompliziert, weshalb das Metamorphosengepolter? Lajos Parti Nagy hat eine moderne Fabel geschrieben, der alles gelingt, was einer Fabel gelingen soll. Durch den Rollentausch Taube/Mensch wird das Lächerliche der Macht doppelt ausgestellt, und die schmerzhafte Umwandlungsoperation am Körper des Schriftstellers führt die aktuelle Gen-Debatte ad absurdum.

Glück muss man haben und von Terézia Mora übersetzt werden

Die neue Sprachverhunzung, die Ungarn nach der Öffnung zur weiten westlichen Welt erlebt, demonstriert Frau Trubitza. Sie redet liebliches Kauderwelsch, und Lajos Parti Nagy jongliert, nach Art des Ironikers, mit allem, auch mit der Form des Romans und seinem Personal. "Dass ich ›du‹ bin. Kapierst du das? Für die bist du jetzt hier. Bist ich…" Der Leser wird an der Nase gezogen. Er soll sich nicht distanzieren, ich bin du! Lustvoll differenziert, werden die Ebenen verknüpft. Der Autor und der Leser, das Ich und das Du, Politik und freie Kunst, Vergangenheit und Zukunftsvisionen. Lajos Parti Nagy verbindet Herrscheromnipotenz und den Begriff der "Rasse" mit den Klon- und Gentechnologien. "Humanplutokratie" nennt er das. Fantastisch, wie die Möglichkeiten der realen Wissenschaft, sind die Manipulationen, denen der Ich-Erzähler ausgesetzt ist.