In seiner Abschottung gegen die historische Wissenschaft übertrifft das Arolser Archiv jedes beliebige Archiv der sowjetischen Geheimdienste im Kalten Krieg! Sowohl der Wert der dortigen Dokumente als auch ihre Unzugänglichkeit für Forscher sind wohlbekannt. Das Bild Arolsens als historisches Archivloch, das wertvolle Quellen eingesogen und verschlossen hält, muss radikal verändert werden.

Im Übrigen betrifft dieses Problem nicht nur Arolsen. Genauso geschlossen ist das Archiv des russischen Komitees des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds in Moskau.

DR. PAVEL POLIAN, MOSKAU

Endlich - und hoffentlich nicht zu spät - wird ein Skandal publik, unter dem in erster Linie die ehemaligen Zwangsarbeiter, aber auch Historiker und Archivare seit Jahren leiden. Wo übrigens gibt es ein Archiv, in dem Schriftgut, zumal aus schlechtem und gefährdetem Papier, offen, wie auf dem Foto erkennbar, gelagert wird? Es ist schlicht unfassbar!

DR. MICHAEL MARTIN, LEITER DES STADTARCHIVS LANDAU IN DER PFALZ

Eine alte Dame beauftragte mich, in Arolsen dem Schicksal ihres Vaters nachzugehen. Er war Häftling im KZ Buchenwald. Teile der Effekten aus Buchenwald lagern in Arolsen. Möglicherweise befindet sich darunter auch ein Foto des Vaters. Die Frau, die ihren Vater nie gesehen hat, hätte vor ihrem Tod noch gerne gewusst, wie er ausgesehen hat. Auf die Anfrage aus dem Jahr 1999 ist bis heute keinerlei Antwort bei uns eingegangen. Soll das die Erfüllung des humanitären Mandats sein, von dem der ITS so gerne spricht?

Die Arolser Einrichtung ist ein Anachronismus. Die Bestände gehören dringend unter demokratische Kontrolle, zum Beispiel als Außenstelle des Bundesarchivs.