Ich habe schon lange nicht mehr so viel Widersprüchliches gelesen. Fakt ist doch, dass wir ein massives Umverteilungsproblem haben, wenn man sich die Entwicklung von Managergehältern und die Ballung von Wohlstand ansieht. Vor allem aber ist der Erfolg ungerecht verteilt, was sich in der schwachen Inlandsnachfrage widerspiegelt. Seit langem wird gefordert, die EZB zu verpflichten, neben der Währungsstabilität auch Wachstum und Beschäftigung zu fördern. (Beispiel Deutsche Bank, die glänzende Geschäfte macht und trotzdem Leute entlässt - BMW zeigt, dass es auch anders geht.) Wenn man Mitarbeiter nicht angemessen am Erfolg, den sie mit erwirtschaftet haben, teilhaben lässt, bricht man ihren Leistungswillen und setzt die Demokratie aufs Spiel, dessen sollte sich die Kapitalseite bewusst sein. Die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt doch ständig zu. Dies nimmt Herr Snower als Zugehöriger einer schicksalsgesicherten (Stefan Zweig) Professorenzunft nicht zur Kenntnis.

Bisweilen hört man aus der Wirtschaft zynisch, sie sei nicht dazu da, um Arbeitsplätze zu schaffen. Wie aber kann man dann den Staat für die Schaffung von Arbeitsplätzen verantwortlich machen, der im Übrigen der Industrie weiß Gott reichliche Steuergeschenke gemacht hat? Wenn kein Konsens mehr darüber besteht, dass die Wirtschaft auch Arbeitsplätze bereitstellt, dann bricht das System in sich zusammen. Denn wenn der Mensch zur Erzeugung von Gütern und Werten immer weniger benötigt wird, dann mag er zwar frei sein, aber er kann sich diese Freiheit nicht mehr leisten. Gleichzeitig aber werden die Menschen aufgefordert, sich für Demokratie und freie Marktwirtschaft zu entscheiden. Womit wir in erheblichen Erklärungsnöten stecken!

Zur Effizienz gehört übrigens auch, dass Unternehmen und Großverdiener ihrer Steuerpflicht nachkommen und nicht ständig daran arbeiten, sie auf null zu reduzieren, dann bleibt auch ein Sozialstaat bezahlbar, und die Effizienz wäre für alle sozial verträglich.

WOLFGANG GERHARDS, BERLIN