Ich stimme der Autorin grundsätzlich zu: Wir PatientInnen-Initiativen müssen sehr auf der Hut sein, um nicht instrumentalisiert zu werden. Mit uns Brustkrebspatientinnen versuchen es alle: Politik, Krankenkassen, medizinische Fachgesellschaften. Die im Artikel intensiv vorgeführte Pharmaindustrie ist also in guter Gesellschaft, aber eher ungefährlicher als die anderen Akteure, weil sie leichter zu durchschauen ist.

Darüber hinaus müssen wir aber auch auf der Hut sein vor einer Journalistin, die PatientInnen einen Hang zur kollektiven Naivität attestiert. Deshalb werde wohl auch ich ohne eine meiner zahlreichen kritischen Stellungnahmen zitiert, sondern nur mit Pro-Pharma-Statements und mit subtilen Unterstellungen karikiert.

Die Darstellung zum Scheitern der Koalition Brustkrebs und die Lobeshymne auf die pharmaunabhängige Stiftung Koalition Brustkrebs muss ich korrigieren: Die Koalition Brustkrebs ist unter anderem auch daran gescheitert, dass Dr.

Angela Spelsberg, Gattin von Prof. Dr. Karl Lauterbach, ohne Absprache mit den in der Koalition Brustkrebs organisierten Patientinnen, aber in deren Namen das fragwürdige Disease-Management-Programm Brustkrebs (DMP, an dessen Erfindung ihr Mann maßgeblich beteiligt war) öffentlich befürwortet hat. Auch existiert ein Schreiben der Stiftungsgründerinnen an die Firma Hoffman-La Roche, in dem sie 50 000 Mark Gründungskapital für die (pharmaunabhängige) Stiftung einfordern.

RITA ROSA MARTIN, HAMBURG

Die von Ihnen beschriebene Gefahr, Selbsthilfegruppen könnten in finanzielle Abhängigkeit von Pharmakonzernen geraten, ist den Verantwortlichen im Selbsthilfebereich nur zu bewusst. Speziell im Bereich der psychischen Erkrankungen sehen auch wir das Problem. Das beste Gegenmittel ist eine ausreichende Finanzierung der Selbsthilfe auf neutraler Basis, am besten durch Beiträge und Spenden von Mitgliedern. Wir wünschen uns sehr, es gäbe mehr sozial engagierte Journalistinnen, die über die Selbsthilfe und die vielen Ehrenamtlichen informieren. So würden vielleicht mehr Menschen die Arbeit unterstützen.

Es ist für uns wenig hilfreich, wenn die Boulevardpresse lediglich über den irren Mörder berichtet und die seriöse Presse uns bekrittelt, wenn wir Sponsorengelder von denen annehmen, die bereit sind, welche zu geben. Wir würden uns freuen über Lösungsvorschläge.