Nichts hat Tony Curtis so berühmt gemacht wie die Verführungsszene in Billy Wilders Manche mögen's heiß . In ihr reibt die schöne Marilyn Monroe ihre intimen Körperteile über sein verschwitztes Gesicht. Der Film blieb Curtis größter Erfolg und nagelte ihn auch beruflich auf sein Talent als Liebling der Frauen fest. Dabei spielte Curtis eigenen Worten nach "in zirka 100 Filmen mit und war, wenn man rund 30 Szenen pro Film rechnet, in wenigstens 3.000 Wirklichkeiten gefangen". Er beherrschte eine unglaubliche Bandbreite auf der Leinwand: Frauenmörder und Transvestit, Sträfling in Ketten und Seeräuber, Hochseilartist und Hochstapler. Mit einem Oscar wurde Curtis aber nie belohnt.

Kurz vor seinem 70. Geburtstag gab der Schauspieler, der lange als einer der schönsten Männer in Hollywood galt, die Autobiografie Ich mag's heiß heraus. Heute wird Curtis nun 80, hat aber keine Fortsetzung seines erfolgreichen Buches von 1995 vorbereitet. Dafür hat er sich einen Ruf als bildender Künstler erworben. Er baut Collagekästen, so genannte Time Boxes , in denen er alte Briefe, Fotografien, Schlüssel, Würfel und Uhren hinter Glas arrangiert.

Dabei war ihm der Erfolg keineswegs in die Wiege gelegt worden. "Wo ich herkomme, ist gutes Aussehen ein Pass zum Entkommen aus dem Mülleimer", sagte er einmal. Der "Mülleimer" war der verrufene New Yorker Stadtteil Bronx. Sein jüdisch-ungarischer Vater Mono Schwartz war in seiner Heimat ein bekannter Schauspieler gewesen, scheiterte nach seiner Immigration in die USA aber an der Sprachbarriere und brachte seine Familie als Schneider durch.

Anthony, später Tony, Curtis - geboren als Bernard Schwartz, wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Laut Selbstaussage war er bereits mit elf Jahren Mitglied einer Streetgang, doch ein väterlicher Freund soll ihn von der Straße geholt haben. Früh machte Curtis auch mit Krankheit und Tod Bekanntschaft. Sein kleiner Bruder Julie wurde vom Lastwagen überfahren, als er auf ihn aufpassen sollte. Sein anderer Bruder, Bobby, litt unter Schizophrenie.

Seine Jugenderfahrungen machten aus dem jungen Schauspieler einen natural actor . Sein Vorbild dabei war Cary Grant. Das method acting des New Yorker Actors Studio, das Marlon Brando und andere spätere Leinwandgrößen ihr Leben lang beibehielten, glaubte er nicht nötig zu haben. In Brut des Satans von 1949 spielte sich das Straßenkind aus der Bronx einfach selbst. Die Rolle verschaffte ihm immer größere Auftritte in allen möglichen Kostüm- und Abenteuerfilmen. Innerhalb weniger Jahre war er ein Teenagertraum.

In Flucht in Ketten mit Sidney Poitier überzeugte Curtis als dramatischer Schauspieler, mit Burt Lancaster und Gina Lollobrigida brillierte er in Trapez . Nach Manche mögen's heiß folgten jahrelang Komödien, dazwischen aber auch Der Frauenmörder von Boston aus dem Jahr 1968. Darin zeigte der Schauspieler nur noch Andeutungen seines berühmten Charmes und war - es ging um die Verfilmung eines tatsächlichen Kriminalfalls - düster-bedrohlich, wie man es von ihm auf der Leinwand nicht kannte.

Im wirklichen Leben hatte er ohnehin nicht den Humor und die Leichtigkeit, wie es in seinen Filmrollen oft schien. Curtis war mit sechs Frauen (unter anderen mit Christine Kaufmann) verheiratet. Jamie Lee Curtis, berühmtestes seiner insgesamt sechs Kinder schrieb: "Etwas quälte ihn sein ganzes Leben lang. Er suchte Erleichterung bei Frauen, in Drogen und Alkohol."