Sein Rücken schmerzt. So sehr, dass sich Michael Jackson am vergangenen Wochenende gleich zweimal ins Santa Ynes Cottage Hospital begeben musste. Doch von offizieller Seite ließ er verkünden, dass es außer nächtlichen Kreislaufproblemen und dem angeschlagenen Rücken keine weiteren gesundheitlichen Probleme gebe.

Ganz offensichtlich geht es dem Popstar jedoch immer schlechter. Fast jede Woche erschien er nun vor dem Gericht in Santa Monica, demonstrierte mit seinen Eltern familiäre Einigkeit, versteckte sich hinter monströsen Bodyguards und - verschreckt von den Fans und Kameras - unter Regenschirmen. Immer mehr magerte er ab, sein Gesicht wurde furchiger und das obligatorische Rouge verstärkte nur die eingefallenen Wangen.

Jacksons Kinn wirkte monströs im Gegensatz zur mickrigen Nase und sein rot bemalter Mund und die kajalgeschwärzten Augen bildeten eine Art grotesker Schutzmaske. In den schwarzen und zu großen Jacketts sah er verloren aus und schrecklich leichenblass. Alles in allem bot er keine überzeugende Show, wie man es von dem King of Pop stets gewohnt war. Seine Unschuldsbeteuerungen halfen auch wenig, das angeschlagene Image aufzupolieren.

Zwölf Menschen im Alter zwischen 20 und 79 Jahren müssen nun über das Schicksal des Weltstars entscheiden. Die Älteste ist eine Frau, deren Enkel wegen einer Sexualstraftat lediglich eine Bewährungsstrafe erhielt. Die Staatsanwaltschaft und die Jackson-Verteidiger hatten die Geschworenen nach verschiedenen Kriterien unter 250 Kandidaten ausgewählt: Acht der Laienrichter haben selbst Kinder und sind deshalb angeblich für den Vorwurf des Kindesmissbrauchs besonders sensibilisiert. Sechs Jury-Mitglieder sind indessen erklärte Fans von Michael Jackson, was sich als Vorteil für Jackson entpuppen könnte. Außerdem erfüllen einige der Geschworenen sogar beide Jurykriterien – Fan und Elternteil in einem.

 Ausgewogen ist die Auswahl damit trotzdem noch lange nicht, da sich kein einziger Afroamerikaner unter den Laienrichtern befindet. Umfragen vor dem Prozess hatten ergeben, dass Afroamerikaner weit häufiger als Weiße an die Unschuld des Popstars glauben.

Am vergangenen Freitag trat die Jury zum ersten Mal zusammen. Am heutigen Montag, zumindest aber noch in dieser Woche könnte schon ein Urteil gefunden werden. Wird Michael Jackson in allen zehn Anklagepunkten für schuldig befunden, droht ihm die Höchststrafe von zwanzig Jahren. Aber auch ein Freispruch wäre noch möglich, da neben der Glaubwürdigkeit des fünfzehnjährigen angeblichen Missbrauchsopfers auch an der Ehrlichkeit dessen scheinbar äußerst geldgierigen Mutter Zweifel bestehen.

Der Superstar will die Urteilsfindung nun auf seiner nahe gelegenen Neverland-Ranch abwarten. Richter Rodney Melville informierte ihn jedoch, dass er sich bei einer Urteilsverkündung innerhalb einer Stunde ins Gericht begeben müsse. Im Falle eines Schuldspruchs würde der Angeklagte unmittelbar ins Corcoran-State-Gefängnis im Bezirk Santa Barbara transportiert werden, sagte Gefängnissprecher Terry Thornton.