„Eislaufen“ anstelle von „Eis laufen“

Die Kultusministerkonferenz hat es am Donnerstag beschlossen: Die unstrittigen Teile der Rechtschreibreform sollen wie geplant zum 1. August für Schulen und Behörden verbindlich werden. Einige Teile des semantischen Reformprojekts sind aber nach wie vor umstritten und so muss weiter reformiert werden. Immerhin wurde in dem besonders umstrittenen Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung eine Einigung zwischen Reformbefürwortern und –gegnern erzielt.

Eislaufen, fertigmachen, heiligsprechen, abwärtsgleiten, dazwischenkommen werden nun wieder zusammengeschrieben. Damit setzte sich der Rechtschreibrat durch, der eine stärkere Orientierung am Sprachgebrauch der Menschen gefordert hatte, wie der Vorsitzende des Gremiums, Hans Zehetmair (CSU), erläuterte.

„Mit den Änderungsvorschlägen trete der Rat der Tendenz der Rechtschreibreform entgegen, möglichst viel auseinander zu schreiben“, sagte der frühere bayerische Kultusminister. Die Sprache sei kein Verordnungsgegenstand, sondern ein organisches Gebilde. Die „Konsumenten“ der Sprache seien nicht nur die Kinder und die Lehrer, sondern auch die breite Öffentlichkeit.

Die Vorschläge werden nun zur Anhörung Lehrer- sowie Elternverbänden und zum Abschluss auch der Kultusministerkonferenz vorgelegt. Unterdessen signalisierten die Kultusminister, dass sie bei den noch strittigen Fragen der Rechtschreibreform eine baldige Klärung erwarten. Dabei wollen sie den dafür beauftragten Rat aber nicht unter Druck setzen. »Wir haben keine Frist gesetzt«, versicherte die Kultusminister-Präsidentin Johanna Wanka (CDU/Brandenburg) am Freitag in Quedlinburg.

Wanka mahnte allerdings an: „Irgendwann einmal müsse auch in Deutschland eine Reform zum Ende kommen.“ Fehler bei der Groß- und Kleinschreibung zum Beispiel würden von den Lehrern künftig nicht nur markiert sondern auch gewertet. Die Lehrer wüssten sehr wohl, welche Bereiche strittig und unstrittig sind. Dazu werde es auch noch „Handreichungen“ geben. Die neuen Schreibweisen werden an den Schulen jetzt seit fast sieben Jahren unterrichtet.

„Eislaufen“ anstelle von „Eis laufen“

Die drei großen Lehrerverbände, GEW, VBE und Philologenverband, forderten Kultusminister und Rat auf, den jetzt seit Jahren währenden „Krieg um die deutsche Rechtschreibung“ im Interesse der Schulen zügig zu beenden. Dabei sollten sich beide Gremien nicht länger durch die „regelmäßigen Querschüsse von Fundamentalgegnern der Reform verunsichern lassen“, sagte Philologenverbands-Vorsitzender Heinz-Peter Meidinger.

Als weitgehend unstrittig gilt beispielsweise die neue Laut-Buchstaben-Zuordnung (Stängel statt Stengel, aufwändig statt aufwendig). Neben der bislang strittigen Getrennt- und Zusammenschreibung soll bei der Silbentrennung und Zeichensetzung an den Schulen so lange „Toleranz geübt“ und abweichende Schreibweisen nicht gewertet werden, bis der Rat auch dazu abschließende Empfehlungen vorgelegt hat. Wanka sagte, damit seien die Kultusminister dem Rat wie den Reformgegnern „sehr weit“ entgegengekommen. Die neuen Regeln sind nach den Worten Wankas in den Schulen mehr akzeptiert, als mancher Reformkritiker glauben machen möchte.