Abu Dhabi
In den Hotels des kleinen Königsreichs Bahrain wird der Kunde freundlich aufgefordert, sein Handtuch nicht jeden Tag an die Wäscherei zu geben, um Wasser zu sparen. In Abu Dhabi, dem reichsten und größten der sieben Emirate der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist solche Vorsorge nirgendwo zu lesen. Die Regierung hat sich die Dringlichkeit der Wasserfrage erst vor kurzem bewusst gemacht. "Ein Umdenken von den Autoritäten im Wasser- und Energiebereich kann man in den VAE und in der Golf-Region seit ungefähr zwei Jahren spüren" sagt Horst Schüssler von Bahrain-German Business Services, die deutsche Unternehmen beraten, die sich in den Golfstaaten niederlassen wollen. 2004 wurde zum ersten Mal vom Emirat Abu Dhabi eine nationale Kampagne in Schwung gebracht: "Rethink your Lifestyle - Save Water and Energy". Damit will die Regierung die Bevölkerung sensibilisieren, mit dem Wasser vorsichtiger umzugehen. Doch den Einheimischen fällt es schwer, die Wasserknappheit des Landes wahrzunehmen. Warum sollten sie auch? Sie bekommen das Wasser fast umsonst.

Obwohl die VAE eines der Länder der Welt sind, das über die kleinsten Wasserreserven verfügt, ist es gleichzeitig einer der größten Wasserverbraucher – und die Nachfrage nimmt jährlich zwischen acht und zehn Prozent zu. Nicht nur Unbekümmertheit erklärt den Verbrauch von ungefähr 800 Litern pro Person und Tag (in Deutschland sind es 120 Liter). Viel Wasser wird auch in der Landwirtschaft verbraucht. Zudem wächst die Bevölkerung schnell, 2003 um 7,6 Prozent, 2004 um 4,7 Prozent.

Zur Weltanschauung von Scheich Zayed bin Sultan al Nahyan, dem vergötterten Gründer und Vater der Vereinigten Emirate, der im November 2004 starb, gehörte die Harmonie zwischen Mensch und Natur. Einer seiner großen Träume (und nun Vermächtnis) war es, sein Wüstenland zu begrünen. 2002 ließ er mehr als 140 Millionen Bäume pflanzen. Darüber hinaus förderte er die Entwicklung von Obst- und Gemüse-Kulturen. Nun kündigt Abu Dhabi mit Stolz an, dass die Grünanlagen der Stadt fast ausschließlich mit wieder aufbereitetem Abwasser gesprent werden. Man geht aber davon aus, dass mindestens 80 Prozent des Wasserbedarfs in die Land- und Forstwirtschaft fließen, die mit ungefähr 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein winziger Wirtschaftszweig ist – ein Wunder oder eine Absurdität, die nur dank der gewaltigen Öl-Einkommen möglich ist.

"In der Vergangenheit suchten wir Ölquellen - nun suchen wir Wasserquellen"

Sein Wasser gewinnt das Emirat vor allem aus Grundwasserspeichern. "Vergangenes Jahr betrug der gesamte Konsum in den Emiraten 3.6 Milliarden Kubikmeter, davon wurden nur 473 Millionen durch Meerwasserentsalzung produziert", sagt Mohammad Jamarat, Leiter des Wasser-Ressort beim emiratischen Amt für Wasser-Ressourcen-Forschung. Die wichtigste Aufgabe des Amtes ist es, unterirdische Süßwasserspeicher zu lokalisieren. "In der Vergangenheit suchten wir Ölquellen; nun suchen wir Wasserquellen", sagt Jamarat. Mit Hilfe von Satellitenbildern und geophysikalischer Forschung werden alte Flussläufe und Oasen geortet, die auf riesige Grundwasservorkommen hindeuten. Ein großes Hindernis besteht aber darin, dass das Grundwasser zunehmenden Belastungen ausgesetzt ist. "Die chemische Gewässerverschmutzung und die Versalzungen werden immer größer" sagt Jamarat. Außerdem sinkt in manchen Orten, wie in Al Ain im Osten des Landes, schon der Grundwasserspiegel ab. "Wenn wir unser Verhalten gegenüber Wasser nicht verändern, werden die Süßwasserspeicher bald leer sein", warnt der Forscher.

Mittel- und langfristig hängt die Versorgungssicherheit des Landes unvermeidlich von Meerwasserentsalzungsanlagen ab. Die Emirate sind bereits der zweitgrößte Produzent für entsalztes Meerwasser der Welt (nach Saudi Arabien) und wollen in den kommenden fünf Jahren ihre Volumen verdoppeln. Mehr als sechzig Entsalzungsanlagen wurden schon in den VAE gebaut, die meisten entlang der Küste, einige auch im Hinterland. In den Emiraten Ras Al Khaimah und Umm Al Quwain muss beispielsweise salziges Grundwasser entsalzt werden. Zum ersten Mal in der Golf-Region wird in den VAE zudem die Wasser- und Strombranche privatisiert. Seit 1999 hat die Abu Dhabi Water and Electricity Authority (ADWEA) fünf "Independent Power and Water Producers" (IWPP) errichtet. Das sind Joint-ventures zwischen der ADWEA, die stets mit sechzig Prozent beteiligt ist, und ausländischen Holdings. Mit diesem System lockte Abu Dhabi bereits neun Milliarden Dollar an privaten Investitionen ins Land. Das letzte und bisher größte Kraftwerk-Projekt "Taweelah B" wurde in Januar dieses Jahr lanciert. Das Kraftwerk wird mit Erdgas betrieben und von Siemens gebaut. Die zu dem Kraftwerk gehörende Meerwasserentsalzungsanlage, die mehr als 170.000 Kubikmeter Süßwasser pro Tag herstellt, wird von der italienischen Fisia Italimpianti errichtet. Nun plant die ADWEA, auch das Verteilungsnetz zu privatisieren.