Während sich mit großem Getöse in Berlin die rot-grüne Koalition ans Verabschieden macht, verröchelt in Wolfsburg klammheimlich ihr Automobil. Der Winzling, auf dessen Heck dezent und in Ökogrün 3 L zu lesen stand, war das weltweit erste serienmäßige Dreiliterauto. Es erblickte 1998, zwei Tage nach der Bundestagswahl, auf dem Pariser Autosalon das Licht der Welt. Und es stirbt noch knapp vor Rot-Grün. Ende Juni, so berichtet die Automobilwoche, soll der letzte 3-Liter-Lupo vom Band laufen.

Er war von Anfang an ein politisches Auto. Wie seine Regierung stand er für eine ökologische Wende. Die Idee der Ökosteuer ließ sich an ihm vorführen: Energieeffizienz durch High Tech (Pumpe-Düse-Diesel mit dollem Wirkungsgrad) plus Beschäftigung. Kaum ein westliches Serienauto wurde noch mit so viel Handarbeit gebaut. Er war richtig teuer, kostete mit über 15 000 Euro etwa so viel wie sein großer Bruder Golf, hatte dafür unkomfortable und unsichere Energiesparreifen, automatischen Ampelstopp, bescherte seinen Insassen das nervige Ökonicken beim Schalten, und die Fenster mussten manuell gekurbelt werden. Darum kauften ihn nur Überzeugungstäter. Was VW zu Recht beunruhigte.

Vorstand Büchelhofer mahnte bei der Vorstellung des Sparmobils: Es ist kein Auto für verdrossene Endzeitfanatiker!

Enttäuschende 30 000 Stück wurden von dem Auto verkauft, höchstens halb so viel wie erwartet. Der 3 Liter-Lupo wurde zu einer der größten und aufwändigsten Machbarkeitsstudien der Automobilgeschichte. Das Dreiliterauto ist machbar - aber es hat keinen Markt. Darin erinnert es an den Niedergang der Solar- und Elektromobile, allesamt konkurrenzlos billig im Betrieb, ideal für Pendler und Cityfahrer. Doch leider: All diesen Sparmodellen haftet Einschränkung an. Sie verlangen Einstellungs- und Verhaltensänderung. Gummi geben? Vorbei! Besonnenheit ist gefragt.

So erklärt sich, warum ausgerechnet in Zeiten, da jedes Tanken wehtut, die Dreiliterautos aussterben. Zwar ist Geiz geil, doch umweltschonend fahren wird von kaum jemandem als auf- oder anregend empfunden. Darum werden die neuen Billigautos Dacia Logan oder VW Fox erfolgreich sein, selbst wenn sie aus Rumänien oder Brasilien kommen. Man freut sich beim Schnäppchenkauf - und darf weiterleben wie bisher.

Der Rest ist Träumen. Und davon versteht selbst Volkswagen mehr als Rot-Grün.

Als 1998 in Paris der Sparwolf vorgestellt werden sollte, rannte das Publikum wie verzaubert ans andere Ende des Messestands. Hier wurde das ultimative Gegenteil der Spritsparbüchse gezeigt. Bugatti. 16 Zylinder. 1001 PS. 400 km/h. Verbrauch? Pssst. Demnächst beim Händler.