"Stille Bilder" hat Paul Flora sein neuestes Album ganz still und einfach genannt. Es ist wie immer bei Diogenes in Zürich erschienen (56 S., 39,90 €) und zeigt eine Auswahl aus seinem Werk von 1949 bis 2004. Die Blätter, die Tuschzeichnungen, die er ausgesucht hat, zählen zum Schönsten seiner Kunst. Denn nie ist der Meister aus Innsbruck grandioser, als wenn er die Grenzen des Wahrnehmbaren erkundet, des gerade noch Sichtbaren, Hörbaren, des möglicherweise Komischen, Makabren, des beinahe Verlorenen. Wenn Silhouetten in der Dämmerung verlöschen, die Abendnebel steigen und in der weiten Ferne noch ein Schiff entdeckt wird, wenn in den Dünen vielleicht der Schatten einer Dame zu erahnen ist, wenn alles zum Hauch wird, zum Gespinst, und die Farben der Häuser, der Landschaft verblassen. Wenn niemandem und nichts mehr zu trauen ist, auch nicht den eigenen Augen. Dieses Zwielicht ist Flora-Licht, dieses Zwischenland ist Flora-Land. Aber nie wird es bei ihm wirklich düster, bedeutsam gar, nie schwer. Seine "stillen Bilder" sind ganz leichte Bilder. Sind selber nur ein Hauch, flüchtig wie die Welt. B.E.