Als Hitler die Macht ergreift, ist Albert Einstein auf Reisen im Ausland und wird Deutschland nicht wieder betreten. Das gefeierte Physikgenie geht ins Exil, und Amerika empfängt den Wissenschaftler mit Jubel. Weil aber der Jahrhundertphysiker ein zauberhaft schlechtes Englisch spricht, ist sein Unbehagen allzu deutlich zu spüren, wenn er vorgefertigte Statements auf Englisch abliest oder nach einfacheren Antworten suchen muss, als es die Komplexität des Gegenstandes verlangt. Gleichzeitig macht genau das den Charme der aufgezeichneten Gespräche und Vorträge aus. Zwei Drittel der insgesamt 18 von Klaus Sander im eigenen Supposé Verlag in Köln zusammengetragenen Originalaufnahmen lassen einen geradezu sanften Einstein hören, der suchend, abwägend spricht und sich verletzlich gibt. Überraschend weich klingt seine gar nicht tiefe Stimme, manchmal etwas quäkend. Er formuliert das Ideal, verweigert den Kompromiss. Was Einstein über Weltregierung und Menschenrechte, Relativitätstheorie und Völkerverständigung formuliert, verblüfft durch faszinierende Plausibilität (Verehrte An- und Abwesende! Originalaufnahmen 1921–1951; Supposé Verlag, Köln; 2 CDs, 115 Min., 24,80 €).

Mag die Sammlung der Reden Einsteins im Jubeljahr erwartbar gewesen sein (in dieser reichen Auswahl ist sie es nicht), so ist die zweite, von Sander ebenfalls konzipierte CD auf den Spuren Einsteins ein typisches Supposé-Produkt. Anton Zeilingers quantenphysikalischer Vortrag über die Spukhafte Fernwirkung klingt wie ein populärwissenschaftlicher Rundgang durch die Welt der Lichtteilchen an der Hand von Onkel Anton. Der Wiener Wissenschaftler liest nicht vom Blatt, gerät vielmehr ins Erzählen, vor lauter Begeisterung manchmal fast ins Plaudern. Nach verborgenen Eigenschaften von Lichtteilchen zu fragen, also danach, ob sie trotz räumlicher Trennung mit Überlichtgeschwindigkeit kommunizierten, empfinde er wie die Überlegung, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz hätten. ( Anton Zeilinger: Spukhafte Fernwirkung – Die Schönheit der Quantenphysik; Supposé Verlag, Köln; 2 CDs, 100 Min., 24,80 €). Und immer wieder kehrt Zeilinger zur Urfrage zurück: Was bedeutet das für unser Verständnis der Welt? "Oder ist sie tatsächlich so verrückt, wie Einstein hoffte, dass sie es nicht ist?"