Als Britpopstar Damon Albarn vor vier Jahren das erste Album seiner Band Gorillaz veröffentlichte, war das Getöse in der Szene groß. Kritiker witterten einen mittelschweren Fall von Subversion, der sich um die Entfernung des alten Künstlersubjekts aus der neuen Kunst drehte. Albarn, lange Zeit Klassenbester seiner Generation, hatte vier Cartoon-Charaktere im Primatendesign statt seiner selbst ins Rennen geschickt – mit einem munteren Medienmix aus HipHop, Horror und Heldenmut. Die bald als "Supergroup des 21. Jahrhunderts" apostrophierte Band landete den Hit Clint Eastwood und verkaufte sechs Millionen Exemplare ihres Debüts.

Gerade ist die CD Numero zwei der Gorillaz, Demon Days, erschienen; und subversiv ist daran allenfalls die Veröffentlichungspolitik. Die 15 neuen Songs kommen zeitgleich mit der Comeback-CD der einstmals liebsten Feinde Oasis auf den Markt. 1995 hatte sich Albarns Band Blur mit den Rock-Rüpeln von Oasis wirtschaftsfördernde Showdowns um die Krone im Britpop geliefert, das "Groß" in Großbritannien entsprach damals durchaus dem Lebensgefühl der Labour-Jugend. Inzwischen ist Labour längst nicht mehr Labour, und die Jugend hört Franz Ferdinand und Maximo Park. Welch ein Glück, dass Elder Statesman Albarn hinter seiner Musik verschwunden ist. Für die neue Produktion bestellte er DJ Danger Mouse ins Studio, der die Popmusik letztes Jahr mit einer programmatischen Verschnitt-Technik bekannt machte.

Demon Days wird angeführt von der vorab veröffentlichten Single Feel Good Inc., einer hochgeschmeidigen Abrechnung mit dem Dämon Amerika unter Einspielung von Damon Albarn auf dem Mobiltelefon. Es gibt einen in Noise-Schichten untergehenden Elektro-Blues, der ins Apokalyptische dreht, tolle Detailarbeit an allen Ecken und Enden: der Kinderchor in Dirty Harry, das Klimperpiano im rasanten Disco-Track Dare, all die Zwischenstücke und Stücke in den Stücken, in denen Albarn Frieden mit der akustischen Gitarre schließt. Dass er nicht ganz vergessen kann, wer er einmal war, ist Demon Days auch anzuhören. Die Gorillaz flirten heftig mit dem Sound- und Stilmix des bislang letzten Blur-Albums Think Tank, und das arme, verwaiste Subjekt fragt: "Are we the last living souls on earth?"

Gorillaz: Demon Days (Parlophone/EMI 0946 3116882 6)