Dahanye

Nach Dahanye führen keine Wegweiser. Wozu auch? Fremde kommen ohnehin nicht in das kleine arabische Dorf am südlichen Zipfel des Gaza-Streifens. Dahanye liegt in unmittelbarer Nähe zu den Palästinensern, zu Israel, zu Ägypten.

Aber es gehört nirgendwo dazu. Das dreifach umzäunte Dorf der Kollaborateure ist abgeschnitten von der Welt. Ein winziges Niemandsland, das nach dem Rückzug der israelischen Armee aus Gaza nicht mehr existieren wird.

Vor wenigen Wochen sei ein hoher Beamter des Tel Aviver Verteidigungsministeriums hier aufgetaucht und habe angekündigt, dass die Bulldozer bis zum September alles plattmachen würden, erzählt Massad Ischtawi. Mit den israelischen Siedlungen soll auch Dahanye geräumt werden.

Wohin es uns verschlagen wird, wissen wir nicht. Es hieß nur, man werde für alle eine Lösung finden.

32 Jahre ist er alt, Vater von acht Kindern. Nun hockt er im Schneidersitz auf einer alten Matratze, vertreibt während seines unaufhörlichen Redeflusses energisch die Fliegen und lässt für den seltenen Gast Getränke auftragen.

Zuletzt war vor elf Jahren ein Journalist ins Dorf gelassen worden. Und auch jetzt hat die israelische Armee ihre Erlaubnis nur unter der Bedingung erteilt, dass keine Bilder gemacht würden.