Erfurt/Weimar/Berlin

Bodo Ramelow, der Wahlkampfleiter der PDS, ist in Thüringen bekannt wie ein bunter Hund. Auch bundesweit könnte er es bald sein: Bei Sabine Christiansen war er schon. Derzeit steckt er mitten in den Verhandlungen mit der WASG, um eine neue Linke zu formen. Wenn wieder einmal der Vorwurf erhoben wird, seine Partei sei im Westen nicht angekommen, dann findet er das einfach nur putzig: Immerhin gibt es 60 000 PDS-Mitglieder, aber nur 6000 Mitglieder der WASG. Und Letztere biete nur Konzepte aus der gewerkschaftlichen Denkschule der siebziger Jahre. Wer ist wo nicht angekommen?

Bodo Ramelow ärgert sich inzwischen nicht mehr, wenn er Populist genannt wird. Für Thüringen, wo man eher zum Harmonischen und Gemütlichen neigt, ist er tendenziell zu laut. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis der PDS-Fraktionschef im Landtag sich mit seiner Mischung aus Rabaukentum und Sachkenntnis in die Bundespolitik boxen würde. In Erfurt machte er aus der zuvor recht braven Landtagsfraktion die eigentliche Opposition. Eine Ein-Mann-Opposition, lästerten seine Gegner. Hinter Ramelow ist nichts, sagte die Bündnisgrüne Katrin Göring-Eckardt noch vor der Landtagswahl 2004.

Am 12. September 2004 holte die PDS dann 21 Prozent und verwies die SPD auf Rang drei. Kann das einer allein?

Nun ist es so weit. Als Partei mit Ostherkunft muss die PDS einen Wahlkampf in zwei Kulturkreisen führen, wie es Ramelow seinen Leuten immer wieder erklärt. Also hat er mehrere Kampas installiert, jeweils mit eigenem Budget: für den Wahlkampf im Westen eine, eine zweite für die fünf Kandidaten, die sich um ein Direktmandat bewerben, für Gregor Gysi ein kleines Extra. Jetzt müssten vor allem die Jungen ran, findet Ramelow, um die Rentnerpartei PDS zu verändern. Was er transformatorische Linke nennt, ist für die Partei existenziell. Noch immer sind 60 Prozent ihrer Mitglieder über 65 Jahre alt.

Bodo Ramelow ist 49, kein Ostdeutscher, vielmehr Niedersachse, geboren in Osterholz-Scharmbeck, aufgewachsen in Rheinhessen. Er hat Kaufmann gelernt, war in Marburg Filialleiter. Als der Lehrling zur Gewerkschaft HBV kam, brachte er gleich die Beitrittserklärungen von 50 Kollegen mit. Später engagierte er sich für Berufsverbotsopfer. Seit dieser Zeit beobachtet ihn der Verfassungsschutz. Ostler wurde Ramelow 1990, zuerst nur kurz, als gewerkschaftlicher Nothelfer für ein Erfurter Kaufhaus. Später baute er die Thüringer Gewerkschaft HBV auf. 1999 trat Ramelow für die PDS zur Landtagswahl an - da war er gerade fünf Monate Mitglied. Zwei Jahre später wurde er Fraktionschef.

Die CDU-Regierung unter Bernhard Vogel brachte er gleich mehrfach in Bedrängnis. Im Zusammenhang mit dem Bau einer CD-Fabrik machte Ramelow im Landtag bekannt, welch eigenwilliges Verhältnis die regierende Union zur Unabhängigkeit der Justiz pflegte. Je mehr aber die Thüringer PDS zur eigentlichen Oppositionspartei wurde, desto mehr Informationen bekam sie.