In diesen Tagen verweist Airbus gern auf die Geschichte. Als hätten sie sich konzernweit abgesprochen, sagen Vertreter des derzeitigen Marktführers im zivilen Flugzeugbau unisono, dass Verspätungen bei neuen Programmen geradezu zwangsläufig seien. Hat denn nicht auch die Boeing 747, die bald als größter Ziviljet vom Airbus A380 abgelöst wird, einst den ursprünglichen Erstflug- und dann den Auslieferungstermin verpasst? Da sei es doch nur zu verständlich, wenn man es auch beim A380 nicht pünktlich schaffe. Die ganze Aufregung sei grob übertrieben.

Die Kunden sehen das allerdings anders. Nachdem Airbus ihnen in den vergangenen Wochen nur scheibchenweise die bittere Wahrheit verriet und dies zunächst in einem Halbsatz versteckte, ist bei einigen Käufern der Geduldsfaden gerissen. Am unfreundlichsten reagierte die australische Qantas Airways, die ihren Hauslieferanten ebenfalls mittels Pressemitteilung wissen ließ, dass sie Schadensersatzansprüche stellen werde.

Hat Hamburg unfertige Rümpfe geliefert?

Der Airbus A380 ist vor wenigen Wochen erstmals geflogen und hat mittlerweile ein gutes Dutzend Testflüge absolviert. Trotzdem wird er nicht, wie ursprünglich geplant, Mitte 2006 bei seinem ersten Kunden, Singapore Airlines, landen, sondern wohl frühestens am Ende desselben Jahres. Die Lieferungen an Emirates, Qantas, Air France und voraussichtlich auch an Lufthansa werden sich ebenfalls verzögern. Für Airbus ist das im Vorfeld der Luftfahrtmesse in Le Bourget, die am kommenden Montag beginnt, ein riesiges PR-Desaster.

Über die Ursachen der Verspätung schweigt das Unternehmen hartnäckig. Es sei eine Häufung vieler Kleinigkeiten, so ein Sprecher, die einen geänderten Zeitplan erzwungen hätte.

Ein Artikel in der Zeitung International Herald Tribune behauptete derweil, der Standort Hamburg habe unvollständige Rumpfteile nach Toulouse geliefert.

Das hat intern heftigen Aufruhr ausgelöst. Im Haus wird jetzt nach der undichten Stelle gefahndet, und die Hamburger wollen in keinem Fall die Schuld übernehmen. Es sei klar, dass die Rumpfteile für die vier ersten Flugzeuge nicht komplett ausgestattet gewesen seien, schließlich seien sie ja für Testflugzeuge gedacht gewesen. Nacharbeiten würden allerdings immer wieder vorkommen, und im Serienanlauf gebe es kleine Verzögerungen. Solche minimalen Unregelmäßigkeiten könnten im Entwicklungs- und Testprogramm dann leicht einige Wochen kosten.