Nach US-Vizepräsident Richard Cheney hat auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld das US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba gegen alle Kritik verteidigt. In dem Lager seien die Ausbilder von Terroristen, Bombenbauer, mutmaßliche Selbstmordattentäter und Bodyguards von Terrorchef Osama bin Laden inhaftiert, sagte Rumsfeld am Dienstag in Washington. Bei den Gefangenen handle es sich nicht um gewöhnliche Autodiebe, sondern um mutmaßlich entschlossene Mörder.Nach den Worten von Rumsfeld werden in dem Gefangenenlager die religiösen Empfindlichkeiten der Häftlinge respektiert. Es gebe genaue Vorschriften für den Umgang mit dem Koran und den fünf Gebetszeiten für die muslimischen Häftlinge. Nach Angaben von Rumsfeld sind die Ausgaben für die täglichen Mahlzeiten der Gefangenen höher als die für US-Soldaten. Jährlich würden bis zu 95 Millionen Dollar (79 Millionen Dollar) für den Unterhalt des Lagers ausgegeben. Die Gefangenen hätten wertvolle Informationen über das El-Kaida-Netzwerk und die Planungen für die Terroranschläge vom 11. September. Die Hinweise hätten zur Ergreifung von Chalid Scheich Mohammed, des Drahtziehers der Anschläge vom 11. September, und der Festnahme von 22 Terrorverdächtigen Anfang dieses Jahres geführt. Außerdem sei die Identität der 20 Bodyguards von Bin Laden aufgedeckt worden. Auch Vizepräsident Richard Cheney hatte das Gefangenenlager am Montag verteidigt: "Die Leute dort sind weit besser behandelt worden als sie es von praktisch jeder anderen Regierung auf der Welt erwarten könnten".Doch während die offizielle Linie nach wie vor rigorose Verteidigung ist und die Regierung alle Berichte über Misshandlungen, Demütigungen oder Koran-Entweihungen als isolierte Einzelfälle abtut, mehren sich die kritischen Stimmen auch in den USA. Außer Ex-Präsident Jimmy Carter haben auch eine Reihe von US- Politikern sowie Menschenrechtsgruppen die Schließung des Militärlägers gefordert. Auch die geschlossene republikanische Front, die das Lager als notwendige Verwahranstalt für schlimmste Terroristen verteidigt, beginnt zu bröckeln. "Es ist zu einem negativen Symbol geworden, und man muss irgendwann die Kosten-Nutzen-Rechnung machen", sagte als erster Republikaner Senator Mel Martinez Ende vergangener Woche. "Was hat man davon, diese Einrichtung dort zu haben?"Selbst in Militärkreisen wachsen die Sorgen um den Ruf der USA. "Wir haben ein Imageproblem", sagt der pensionierte Generalmajor Don Sheppard, der mit dem Lager an sich keine Probleme hat, im Sender CNN. "Wir sollten einen unabhängigen Berichterstatter bestellen, der die ganze Gefangenenproblematik anschaut und offen legt und erklärt, was warum wie gehandhabt wird", meinte er.Doch Cheney sieht den Ruf der USA nicht weiter gefährdet. "Schadet uns dies in der internationalen öffentlichen Meinung?" fragte er sich am Montag rhetorisch selbst. "Ehrlich gesagt, glaube ich das nicht. Ich meine, dass die, die sich besonders dringend für die Schließung einsetzen, sowieso nicht mit unserer Politik einverstanden sind."US-Präsident George W. Bush hält sich bedeckt. Er hat aber vergangene Woche schon eingeräumt, dass die USA nach Alternativen suchen. Auf die harte Linie von Cheney und auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld angesprochen, machte Bushs Sprecher Scott McClellan schon eine wichtige Einschränkung: "Sie sagen: zur Zeit", betonte er - das heißt, "zur Zeit" gebe es keine Pläne, das Lager zu schließen.Irak "statistisch" nicht sicherer Hinsichtlich des Irak räumte US-Verteidigungsminister Rumsfeld zudem ein, dass das Land heute "statistisch gesehen" nicht sicherer ist als am Tag des Kriegsendes im Jahr 2003. Der Minister antwortete in einem am Dienstagabend gesendeten Interview des britischen Rundfunksenders BBC auf die Frage, ob sich die Sicherheitslage seitdem verbessert habe: "Nun, statistisch gesehen nicht. Aber es ist klar besser geworden, seitdem wir hineingegangen sind."

Rumsfeld erneuerte den Vorwurf, dass Aufständische über die "relativ durchlässigen" Grenzen zu Syrien und Iran in den Irak kämen. Diese heizten die Unruhe im Land an. Die irakischen Sicherheitskräfte würden aber zahlenmäßig zunehmen, und er sei sicher, dass die Aufständischen besiegt würden, sagte der Minister. Besonders Syrien unternehme zu wenig, um das Einsickern von Rebellen zu verhindern, und Iran mische sich unerwünscht in die irakische Politik ein.